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07 Land- und Forstwirtschaft: Arbeit mit Potenzial?

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Hotel Post
Breakout / Working Group
in deutscher Sprache

Dieser Arbeitskreis stellt die Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft für den Arbeitsmarkt in den Mittelpunkt. Dabei geht es nicht nur um die Rolle der Branche und der dazugehörigen Wertschöpfungsketten als Arbeitgeber – sondern vor allem auch um die ihr eigenen Zukunftsperspektiven für einen qualitativen Wandel der Arbeit, etwa in Richtung „green jobs“. Ebenso werden die Entwicklungsmöglichkeiten für die biologische Landwirtschaft Thema sein: soll sie nach alternativen Energielösungen streben oder sich in Richtung Tourismus- und Freizeitwirtschaft orientieren?

Vortragende

Direktor, Österreichischer Bauernbund, Wien Abstract
POSITIVE BESCHÄFTIGUNGSEFFEKTE IN LANDWIRTSCHAFT DURCH GESTÄRKTE REGIONALITÄT

Als Folge der Globalisierung verlieren insbesondere ländliche Regionen ihre strukturelle Ei-genständigkeit. Eine Region ist nur dann zukunftsfähig, wenn sie ökonomisch handlungsfä-hig, als Wirtschaftstandort attraktiv bleibt und gleichzeitig eine regionale, vielfältige, sozial- und umweltverträgliche Landwirtschaft betreibt, die nicht nur als Wert, sondern tendenziell als Mehr-Wert, anerkannt wird.
Regionalwirtschaft ist das starke Rückgrat der heimischen Wertschöpfung. Einzig und allein dadurch sind für die gesamte österreichische Bevölkerung Lebensmittel in höchster Qualität und Zusatzleistungen wie gepflegte Landschaften und kulturelle Identität gesichert. An der Landwirtschaft hängen 530.000 Arbeitsplätze. Es geht darum, diese Jobs zu sichern und neue Jobs zu schaffen. Geschlossene, regionale Wirtschaftskreisläufe ermöglichen, dass ein möglichst hoher Anteil der Produkte in einer Region für die Region erzeugt, dort verarbeitet und vermarktet wird. Regionalität ist somit unmittelbar auch arbeitsplatzrelevant.

Jeder Staat muss sich der Frage stellen, welche Art von Landwirtschaft betrieben werden soll. Ist es doch Staatsziel ersten Ranges, die Versorgung der Bürger sicherzustellen. Ange-sichts der Einkommenslage in der Landwirtschaft (bis zu minus 25 % im Vorjahr 2009) ste-hen wir aber somit vor einer Richtungsentscheidung: Soll es weiterhin heimische Landwirt-schaft geben, die nicht nur gesunde, regional produzierte Lebensmittel produziert, und die Erntefrüchte wegen der kurzen Transportwege mit geringer CO2-Belastung in den Handel bringt oder nicht? Soll es weiterhin eine bäuerliche Landwirtschaft geben, die Landschaften pflegt und damit das Rückgrat jeder Regionalwirtschaft ist? Nicht nur die komplette Touris-muswirtschaft, auch Einzelhandel, Gewerbe und Handwerk hängen im vor- und nachgelager-ten Bereich davon ab.

Nachdem patriotischer Konsum österreichische Jobs sichert, hat der Österreichische Bau-ernbund unter dem Motto  Heimisch kaufen  österreichische Arbeitsplätze sichern mit hei-mischen Verarbeitungsbetrieben eine neue Initiative gestartet, um über diesen Verantwor-tungszusammenhang von Produktion und Konsum aufzuklären. Das Ziel: Mehr Bewusstsein beim Einkaufen und ein großangelegter Schulterschluss zwischen Produzenten und Verbrauchern. Denn wer heimisch kauft, sichert die österreichische Produktion und damit den gesamten Wirtschaftsstandort. Die Initiative  Heimisch kaufen klärt den Konsumenten vor allem auch über die wirtschaftlichen Regionalitätseffekte auf.
Geschäftsführer, Elektro-Güssing GmbH; Generalbevollmächtigter, Forst- u. Gutsverwaltung Dr. Karl Draskovich, Güssing Abstract
Zukunft der Arbeit, Beschäftigungsmöglichkeiten in der Land- und Forstwirtschaft

AUSGANG Im 20. Jahrhundert Beschäftigtenstand unserer Gutsverwaltung von 240 auf 12 reduziert, das sind nur 5 %. Unnötig oder unrentabel gewordene Teile der Gutsverwaltung in eigene Gewerbebetriebe ausgegliedert, Autohaus,Tischlerei, EVU mit angeschlossener Elektro- und GWH-Installation; Nebenbetriebe beschäftigen über 100 Personen. Die meisten größeren Land- und Forstwirtschaftsbetriebe haben ihre Funktion als regionaler Leitbetrieb verloren. Wesentlich dafür ist der Rückgang der Arbeitsplätze durch Mechanisation. Zusätzlich werden viele Arbeiten an externe Unternehmen vergeben.
Holzernte heute maschinell, Bestandesbegrünung und Waldpflege arbeitsintensiv - Förderungsprogramme, Waldpflege aufgrund der hohen Arbeitskosten teuer aber ein großes Arbeitspotential, den Wert zukünftiger Waldbestände zu erhöhen.

Erneuerbare Energie Gründung und Entwicklung der Region Güssing als Musterstadt für erneuerbare Energie; Rohstoff ist in erster Linie minderwertiges Holz heimischer Wälder; neues Beschäftigungsfeld; kostendeckend machbar; viele neue Arbeitsplätze. Indirekt alle Arbeitsplätze, die durch Bau, Betrieb und Rohstoffversorgung (Logistik) der Kraftwerke auf Biomassebasis entstehen. Noch ein enormes Entwicklungspotential, das trotz intensivem Ausbau noch nicht ausgeschöpft wurde. In der Landwirtschaft weniger Möglichkeiten für zusätzliche Beschäftigung, da es egal ist, ob man Feldfrüchte für Nahrungsmittel oder Energieverwendung (Biogas) erntet.

Land- und Forstwirtschaft Vor allem die größeren Betriebe haben die Möglichkeit, ihre Funktion als Leitbetriebe zum Teil wahrzunehmen, indem sie sich im Bereich der Dienstleistung etablieren. Möglichkeiten sowohl im Bereich des Umwelt- und Naturmanagements (Natura 2000), als auch im Tourismus. Bei letzterem nicht unbedingt als Unternehmer, vor allem aber in der Bereitstellung von Flächen und Strukturen.
Wenn die Land- und Forstwirtschaft weiterhin nur  Massenprodukte betreibt, ist mit einem Arbeitskräfterückgang zu rechnen, sobald aber höherwertige Produkte hergestellt werden und ein modernes Flächenmanagement für die Bedürfnisse der zukünftigen Gesellschaft betrieben wird, sehe ich ein großes Beschäftigungspotential an Arbeitsplätzen.
Wichtig ist ein flexibler Arbeitsmarkt, Arbeitsanfall ist saisonal sehr unterschiedlich. (billige Saisonarbeiter); Lohnunternehmen (Lohndrusch, Schlägerungsunternehmer, etc.) sollten weiter ausgebaut werden. Die einzelnen Betriebe sind gefordert durch Fusion von Verwaltungen, Maschinenparks, etc. rationeller zu wirtschaften, und die freien Kapazitäten nicht weg rationalisieren, sondern in neue Aufgabenbereiche zu stecken.
Bioland- und Forstwirt, Demeterhof, Loosdorf
Direktor, Esterházy Betriebe GmbH, Eisenstadt Abstract
Ansätze und Idee für die Entwicklung von Land- und Forstwirtschaftsbetrieben am Beispiel der Esterhazy Betriebe (Hans-Peter Weiss)

Wie insgesamt in der Land- und Forstwirtschaft Österreichs und Mitteleuropas, waren auch die Esterhazy Betriebe in den vergangenen Jahrzehnten von ständigen Effizienzsteigerungen, Prozessoptimierungen und damit verbunden einem permanenten Personalabbau geprägt. Reduktion auf die wesentlichen Kernbereiche war das Gebot der Stunde.
Anfang der 50 Jahre bestanden innerhalb der Esterhazy Betriebe noch 7 Forstverwaltungen, heute sind es nur noch zwei Forstbetriebe.

Dabei hatte man das eigentliche Kerngeschäft aber so eng definiert, dass viele sich bietende Chancen nicht genutzt werden konnten.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurden die Esterhazy Betriebe dann völlig neu organisiert und den verschiedenen Kerngeschäftsfeldern folgend aufgestellt.

Nach wie vor stellt die Land- und Forstwirtschaft das wirtschaftliche Fundament des Unternehmens dar und trägt zu etwa 2/3 zum Gesamtumsatz und zum Unternehmenserfolg bei.
Gleichzeitig wurden und werden aber viele neue Themenfelder innerhalb der Esterhazy Betriebe oder in Tochterunternehmen, oft gemeinsam mit Partner, aufgegriffen.

Bereits in den 1960 Jahren wurde begonnen die vorhandenen, aufgelassenen Schottergruben und Bergwerke als Zweitwohnsitzgebiete für Städter zu entwickeln. Dieses Konzept wurde in den vergangenen Jahrzehnten konsequent fortgesetzt - heute betreuen die Esterhazy Betriebe über 2.500 Pächter von Zweitwohnsitz- und Ferienimmobilien.

Um die Jahrtausendwende wurde gemeinsam mit Partnern aus der Land- und Forstwirtschaft die Bioenergie Burgenland gegründet und in weiterer Folge eine Kooperation mit einem regionalen Energieversorgungsunternehmen eingegangen. Heute betreibt die Bioenergie Burgenland 3 Kraftwerke und 12 Heizwerke im Burgenland.

Im Jahr 2001 wurde mit Rundholzhandel und Fremdbewirtschaftung begonnen. Aus den ursprünglich rund 3.000 Festmeter Handelsmenge wurden mittlerweile rund 200.000 Festmeter. Der Handel stellt damit nicht nur eine wesentliche, zusätzliche Einnahmensquelle für das Unternehmen dar, sondern trägt auch zur Stärkung der Marktposition der Esterhazy Betriebe bei.

Ein wesentlicher Unternehmensbereich der Esterhazy Betriebe ist die Kultur. Mit Schloss Esterhazy in Eisenstadt, der Burg Forchtenstein, dem Schloss in Lackenbach und dem Römersteinbruch in St. Margarethen werden vier bedeutende Kulturstätten im Burgenland durch die Esterhazy Betriebe bzw. deren Partner bespielt. Insgesamt werden diese Esterhazy Kulturstätten jährlich von rund 500.000 Besuchern besucht.

Seit einigen Jahren versuchen die Esterhazy Betriebe auch im Ausland Fuß zu fassen. So werden beispielsweise in Rumänien für verschiedene Investoren rund 11.000 Hektar Wald bewirtschaftet. Und seit zwei Jahren wird mit dem Basaltwerk Pauliberg einer der größten Hartgesteinsteinbrüche Ostösterreichs, der über Jahrzehnte verpachtet war, selber bewirtschaftet.

Durch die geschilderten Aktivitäten in zum Teil völlig neuen, aber immer mit dem Kernbereich verbundenen Bereichen konnte die Mitarbeiterzahl in den vergangenen 5 Jahren von 160 auf 270 gesteigert werden und damit der jahrelange Trend nicht nur gestoppt sondern gedreht werden.

Für die kommenden Jahre ist geplant, die Aktivitäten im Ausland aber auch das Engagement im Abbaubereich zu verstärken. Daneben soll verstärkt auf die Veredelung und Direktvermarktung der landwirtschaftlichen Produkte aus der biologisch betriebenen Landwirtschaft gesetzt werden.

Die angeführten Beispiele sollen zeigen, wie aus der klassischen Tätigkeit eines Land- und Forstwirtschaftlichen Betriebes heraus neue Entwicklungsmöglichkeiten und Geschäftsfelder gefunden werden können.
Wesentlich für eine erfolgreiche Entwicklung war eine Organisationsform, die es ermöglicht hat, sich in den doch sehr unterschiedlichen Bereichen zu spezialisieren, aber gleichzeitig genügend Kommunikationsraum zwischen den Bereichen für befruchtende Gespräche und wechselseitige Unterstützung, gelassen hat. Jeder Unternehmensbereich hat in einem gewissen Sinn seine eigene Kultur, von der die anderen Bereiche profitieren.
Generalsekretär, Land&Forst Betriebe Österreich, Wien Chair

Dr. Johannes ABENTUNG

Direktor, Österreichischer Bauernbund, Wien

1981-1985 Studium der Rechte an der Universität Innsbruck (Dr. iur.)
1986-1988 Referent Österreichischer Bauernbund
1988-1989 Referent Österreichische Volkspartei
1989-1993 Ministersekretär - Büroleiter Büro Bundesminister Franz Fischler
1993-1998 Sektionsleiter in der Rechtssektion BMLF/BMLFUW
1998-2009 Sektionschef BMLF/BMLFUW (Recht) ua. zuständig für Entwicklung des Ländlichen Raumes
2004-2005 Mitglied des Österreich-Konvents
seit 2009 Direktor des Österreichischen Bauernbundes

Ing. MBA Nikolaus DRASKOVICH

Geschäftsführer, Elektro-Güssing GmbH; Generalbevollmächtigter, Forst- u. Gutsverwaltung Dr. Karl Draskovich, Güssing

1986-1990 College for Forestry and Mountain Engineering, Baden
1991-1997 Vienna University of Economics and Business
1991 Qualification for Mountain Engineer
1993-1999 Project management, Elektro-Güssing GmbH
1994-1995 Work at AWT bank in Vienna and Budapest, Hungary and Zagreb, Croatia
1995 Management, Strutio Straussenzucht GmbH
1996 Trainee, IMT Asset management in Vaduz, Liechtenstein
1997-2000 Representing the "Trakostyan Foundtion" in Croatia
since 1997 Management, Draskovich family estate in Güssing, Burgenland
since 1998 Member of the supervisory board Agroludbreg d.d., Croatia
since 1999 General Manager, Elektro - Güssing GmbH
2003-2010 General Manager, Biostrom Güssing GmbH
2004-2005 Postgraduate Studies, University of Minnesota and Vienna University of Economics and Business
since 2008 Vice president, Burgenland Landowners Association
since 2008 General Manger, Biogas d.o.o Croatia
since 2009 Board member, Hungarian Landowners Association

Mag. Alfons PIATTI

Bioland- und Forstwirt, Demeterhof, Loosdorf

 Studium der Soziologie, Rechtswissenschaften, Nationalökonomie, Universität Wien
1976 Universitärer Abschluss mit Mag.rer.soc.oec.
1977 Postgraduate scholarship University of Dublin, Ireland
1979 Praktikum, VLG
1981 Landwirtschaftlicher Meisterkurs
1982 Entwicklungshelfer, Rwanda, Afrika
seit 1982 Betriebsleiter, Piattische Land- und Forstwirtschaftsbetriebe
  Derzeit Entwicklung einer Bewegung "Export Biolandbau in Entwicklungsländer"
seit 1983 Umstellung auf die Methode des Biolandbaus

Dipl.-Ing. Hans-Peter WEISS

Direktor, Esterházy Betriebe GmbH, Eisenstadt

1990-1996 Studium der Forst- und Holzwirtschaft, Universität für Bodenkultur Wien
2000 Staatsprüfung für den höheren Forstdienst (Wirtschaftsführerprüfung) mit Auszeichnung
1997-1998 Projektleiter, EU-Projekt zur Erstellung von Wirtschaftsplänen in Agrargemeinschaften, Burgenland
1998-2000 Betriebsleiter - Stellv., Forstbetrieb Mittersill, in weiterer Folge Leiter der Stabstelle Unternehmensentwicklung in der Unternehmensleitung, Österreichischen Bundesforste AG, Wien
seit 2000 Leiter, Bereich Forst- und Naturmanagement, Esterhazy Betriebe GmbH, Eisenstadt
seit 2006 In der Geschäftsführung, Esterhazy Betriebe GmbH, Eisenstadt

MMag. Dr. M.A.I.S. Werner ANDRÄ

Generalsekretär, Land&Forst Betriebe Österreich, Wien

 Diplomstudium Rechtswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz
 Doktoratstudium Rechtswissenschaften in Graz, Heidelberg und Camden (USA)
 Master of Advanced International Studies (M.A.I.S.) an der Diplomatischen Akademie Wien
 Diplomstudium Philosophie und Fächerkombination
1988-2002 Teilweise nebenberuflich folgende Studien erfolgreich abgeschlossen:
1998 Rechtspraktikant im Sprengel des Oberlandesgerichtes Graz
1999-2002 Jurist im Magistrat Graz, Dienstprüfung und EU-Beamtenpraktikum
2002-2004 Senior Project Manager für China, Bundesinstitut für internationalen Bildungs- und Technologietransfer, Wien
2004-2005 Organisationsreferent im Magistrat Graz
seit 2005 Generalsekretär der Land&Forst Betriebe Österreich

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