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Anforderungen an die Gesundheits- und Pflegesysteme

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Liechtenstein-Hayek-Saal
Plenary / Panel
in deutscher Sprache

Das Altern betrifft jeden Menschen, und die Ergebnisse der geistes- und naturwissenschaftlich orientierten Alternsforschung (Gerontologie) sind daher nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von eminent praktischem Interesse. So wäre es beispielsweise wünschenswert, wenn die Erkenntnisse der biologisch-medizinischen Alternsforschung als wichtige Grundlage für politische Entscheidungen, etwa im Zusammenhang mit der Arbeitsmarktpolitik, der Pensionsreform oder der Pflegeproblematik herangezogen würden. Der Alterungsprozess wird sowohl durch genetische, als auch durch Umweltfaktoren bestimmt. Erstere können derzeit beim Menschen noch nicht beeinflusst werden. Bei letzteren unterscheidet man solche, die nur von der gesamten Gesellschaft verändert werden können, wie z.B. globale Umweltverhältnisse und solche, die jeder Einzelne selbst gestalten kann. Wesentliche selbst zu beeinflussende Faktoren für gesundes Altern sind Ernährung, Suchtgifte und Bewegung. Die alternsrelevanten Effekte dieser Maßnahmen lassen sich auf molekularer und zellulärer Ebene sowohl in Zellkultur, beim Versuchstier als auch beim Menschen eindeutig belegen.

Vortragende

Ärztlicher Direktor der Geriatrischen Kliniken St. Antonius gGmbH; Lehrstuhlinhaber für Geriatrie der Universität Witten/Herdecke Abstract
Anforderungen an die Pflegesysteme aus medizinischer Sicht

Prof. Dr. med. Ingo Füsgen


Die älteren und insbesondere hochbetagtem Menschen weisen in hohem Maße ein gleichzeitiges Bestehen mehrerer Krankheiten auf. Diese Multimorbidität ist gekennzeichnet durch chronische Krankheiten, die fast immer auch funktionelle Defizite verursachen. Die Konsequenzen sind häufige Krankenhausaufenthalte und ein zunehmender Pflegebedarf. Um diesem Problemfeld des  geriatrischen Patienten gerecht zu werden, werden sich auch die Strukturen, Abläufe und Aus- bzw. Weiterbildung für die Pflegekräfte verändern müssen. Die Ausbildung wird einerseits bewusster Probleme dieser schnell wachsenden älteren, multimorbiden Patientengruppe beinhalten, andererseits eine Höherqualifizierung nach sich ziehen müssen. Beispielhaft seien hier arzneimittelbedingte Probleme angeführt. Aber auch für neue Strukturen und Abläufe wird man höher qualifizierte Pflegekräfte brauchen. Prävention, Früherfassung von Krankkeiten im Alter, angepasste Therapie und Rehabilitation werden in Zukunft eine größere Bedeutung haben. Dabei werden sich gleichzeitig in der Versorgungsstruktur neue Wohnkonzepte, aber auch neue Vorstellungen für die ambulante und stationäre Versorgung herausbilden müssen (z. B. Telegesundheitsschwestern). Die Pflege als wichtiger Partner in der Betreuung und Versorgung geriatrischer Patienten wird sich den Herausforderungen stellen müssen, beispielhaft wird auf die Ausbildungen an der Univ. Witten/Herdecke hingewiesen.
Director, Austrian Institute for Family Research, University of Vienna Abstract
Die absehbaren demographischen, medizinischen und ökonomischen Entwicklungen werden einen vielfältigen Systemwandel erfordern. Eine Bewältigung dieses Systemwandels zeigt für die Gesundheits- und Pflegesysteme folgende An-forderungen:
Umfassende Ressourcenschonung: Angesichts des sich abzeichnenden Arbeits-kräftemangels werden in allen Bereichen Hände fehlen. Der Verschleuderung von Humanressourcen muss durch einen qualifikationsspezifischen Einsatz sowie durch vermehrten Einsatz von Sensorik, insbesondere im Bereich der Überwachung und der Dokumentation) Einhalt geboten werden.
Subsidiarität und Modellvielfalt: Am Pflegebereich kann am besten gezeigt werden, dass sich die Qualität der Leistung und die Effizienz der Leistungserbringung ver-bessert, wenn nicht bestimme Modelle forciert, sondern kleinräumlich eine den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Menschen adäquate Systemstruktur geschaffen wird
Neue Bewertung der Familienarbeit: Wenn derzeit noch ca 80% der Pflegeleistungen in Familienarbeiterbracht wird, dieser Anteil allerdings sinkt, kann dies  trotz gleich bleibender Dependenzquote - rasch zu einer finanziellen Überforderung öffentlicher Haushalte führen, weil Familien derzeit sowohl bei Kinderbetreuung als auch bei Altenpflege enorme Leistungen erbringen, die in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht aufscheinen. Müssen diese durch extrafamiliale Leistungen substituiert werden, wird es zu einer Neuorientierung der Struktur von Transferleistungen und Abgaben im Hinblick auf diese Leistungen kommen müssen.
Eigenverantwortung wo möglich: Sowohl für Gesundheits- wie Pflegebereich ist eine neue Balance zwischen Eigenverantwortung und Solidarität notwendig. Es greift zu kurz, die Diskussion über diese Frage als neoliberal abzutun und zu verweigern.
Nüchterne Kommunikation der Realität: Gesundheits- und Pflegefragen sind heute nicht in jener Qualität gelöst, wie sie in der oft politisch schöngefärbten Vorstel-lungswelt der Menschen aussehen: Wir sehen in beiden Bereichen punktuell (vor allem in Gesundheitsfragen) und flächig (vor allem in Pflegefragen) Systemversagen sowohl im Hinblick auf die Leistungsqualität als auch im Hinblick auf die Effizienz der Leistungserbringung. Systemveränderung kann politisch freilich nur bewältigt werden, wenn die Menschen nicht in Illusionen leben.


Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mazal
Institut für Arbeits- und Sozialrecht der Universität Wien
Direktor, Sektion für Experimentelle Pathophysiologie und Immunologie, Biozentrum, Medizinische Universität Innsbruck Abstract
Alternsstrategien  biologische Grundlagen

o.Univ.-Prof. Dr. Georg Wick
Direktor
Sektion für Experimentelle Pathophysiologie und Immunologie
Biozentrum
Medizinische Universität Innsbruck
Fritz-Pregl-Str. 3/IV
A-6020 Innsbruck

Das Altern betrifft jeden Menschen, und die Ergebnisse der geistes- und naturwissenschaftlich orientierten Alternsforschung (Gerontologie) sind daher nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von eminent praktischem Interesse. So wäre es beispielsweise wünschenswert, wenn die Erkenntnisse der biologisch-medizinischen Alternsforschung als wichtige Grundlage für politische Entscheidungen, etwa im Zusammenhang mit der Arbeitsmarktpolitik, der Pensionsreform oder der Pflegeproblematik herangezogen würden. Der Alterungsprozess wird sowohl durch genetische, als auch durch Umweltfaktoren bestimmt. Erstere können derzeit beim Menschen noch nicht beeinflusst werden. Bei letzteren unterscheidet man solche, die nur von der gesamten Gesellschaft verändert werden können, wie z.B. globale Umweltverhältnisse und solche, die jeder Einzelne selbst gestalten kann. Wesentliche selbst zu beeinflussende Faktoren für gesundes Altern sind Ernährung, Suchtgifte und Bewegung. Die alternsrelevanten Effekte dieser Maßnahmen lassen sich auf molekularer und zellulärer Ebene sowohl in Zellkultur, beim Versuchstier als auch beim Menschen eindeutig belegen.
Bereichsleiter für die Koordination und Zusammenarbeit von Einrichtungen des Wiener Gesundheitswesens mit der EU, Magistrat der Stadt Wien Chair

Dr. Ingo FÜSGEN

Ärztlicher Direktor der Geriatrischen Kliniken St. Antonius gGmbH; Lehrstuhlinhaber für Geriatrie der Universität Witten/Herdecke

1980 Chefarzt der III. Medizinischen Klinik/Geriatrie der Kliniken St. Antonius Velbert-Neviges
1987 Habilitation, Venia legendi für Gerontologie
1989 Berufung auf den Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Witten/Herdecke
1998 Direktor der Geriatrischen Kliniken Wuppertal der Kliniken St. Antonius
2007 Mitglied des Expertenrates für den Bereich Geriatrie der Deutschen Kontinenz Gesellschaft

Dr. Wolfgang MAZAL

Director, Austrian Institute for Family Research, University of Vienna

1977-1981 Studium der Rechtswissenschaften, Universität Wien
1981 Promotion zum Dr. iur., Universität Wien
1981-1983 Theologische Ausbildung an den Wiener Theologischen Kursen
1981-1982 Assistent, Institut für Kirchenrecht der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Universität Wien
1981-1982 Gerichtsjahr im Bereich des Oberlandesgerichts Wien, Praxis bei Price Waterhouse Wien
1983-1992 Assistent und Lehrbeauftragter, Institut für Arbeits- und Sozialrecht, Universität Wien, Wirtschaftsuniversität Wien, Technische Universität Wien
1989-1990 Erwin-Schrödinger Stipendium des Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung: Einjähriger Forschungsaufenthalt an der Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie der Universität Bayreuth
1992 Habilitation aus den Fächern Österreichisches Arbeitsrecht und Österreichisches Sozialrecht, Universität Wien
1992 Universitätsprofessor für Arbeits- und Sozialrecht, Universität Wien

Dr. Georg WICK

Direktor, Sektion für Experimentelle Pathophysiologie und Immunologie, Biozentrum, Medizinische Universität Innsbruck

1964 Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde, Universität Wien
1965-1967 Universitätsassistent am Institut für Allgemeine und Experimentelle Pathologie der Universität Wien
1967 Assistenzarzt im Krankenhaus Floridsdorf, Abteilung für Innere Medizin, Wien
1967-1970 Center for Immunology, State University of New York at Buffalo, NY
  der Universität Wien
1970-1974 Leiter der Arbeitsgruppe Immunpathologie am Institut für Allgemeine und Experimentelle Pathologie
1971 Universitäts-Dozent für Allgemeine und Experimentelle Pathologie
1974 a.o. Professor für Allgemeine und Experimentelle Pathologie (Immunpathologie), Wien
  an der Universität Innsbruck
seit 1975 Vorstand des Instituts für Pathophysiologie (jetzt Sektion für Experimentelle Pathophysiologie und Immunologie)
1980-2004 Vorstand der Zentralen Versuchstieranlage der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck
  Wissenschaften, Innsbruck
1987-1990 Vorstand der Forschungsstelle für Immunendokrinologie der Österreichischen Akademie der
  Wissenschaften, Innsbruck
1991-2003 Direktor des Instituts für Biomedizinische Alternsforschung der Österreichischen Akademie der
 
 Forschungsschwerpunkte:
 Autoimmunität
 Immunologie der Arteriosklerose
 Wechselwirkung Immunsystem Hormonsystem
 Fibrotische Erkrankungen
2003-2005 Präsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Wien

Dr. Ludwig KASPAR

Bereichsleiter für die Koordination und Zusammenarbeit von Einrichtungen des Wiener Gesundheitswesens mit der EU, Magistrat der Stadt Wien

 Medizinstudium Wien, Facharzt für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Stoffwechselerkrankungen und Diabetologie, Zusatzausbildung Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin.
1984-1988 Leitung einer Internistischen Intensivstation.
1988 Chefarzt der MA 17 (Wiener Städtische Krankenanstalten und Pflegeheime)
ab 1989 Primarius einer Kardiologischen Ambulanz eines Privatspitals
1991 Ausbildung zum akademischen Krankenhaus-Manager der WU Wien
1993-2004 Generaldirektor-Stellvertreter des Wiener Krankenanstaltenverbundes
  des Wiener Gesundheitswesens mit der EU
ab 2005 Bereichsleiter (im Magistrat der Stadt Wien) für die Koordination und Zusammenarbeit von Einrichtungen

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