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01: Das Neue und das Risiko – ‚risk governance‘

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Hauptschule
Breakout / Working Group
in deutscher Sprache

Gefahr und Sicherheit, Akzeptanz und Technikfeindschaft, Risikomanagement und -Betroffenheit sind Stichworte einer zunehmenden öffentlichen Rhetorik. Forschung und Technologieentwicklung bzw. technologische Umbrüche – also das Entstehen von Neuem – gehen immer einher mit Fragen von Sicherheit und Risiko. Für eine moderne Technologiebegleitpolitik stellt sich nun die Frage, wie man damit umgehen soll. Frühere Debatten aus der Biotechnologie zeigen, dass hier ein vorausschauendes Handeln notwendig ist. Der Abbau von Technologieaversion in der Gesellschaft und die richtige Kommunikation von neuen Erkenntnissen stellen eine erhöhte Herausforderung für Verantwortliche in Verwaltung, Wissenschaft und Industrie dar.

Vortragende

Direktor, Risk Engineering Services, Swiss Reinsurance Company, Zürich Abstract
Neuen Querschnittstechnologien wie Gentechnik und Nanotechnologie ist eines gemeinsam: sowohl ihr Chancen- als auch ihr Risikopotenzial zeigt sich erst allmählich. Gewiss ist nur, dass sie viele Lebensbereiche betreffen und damit das Gesicht der Welt verändern werden, so wie die Informationstechnologie das schon getan hat. Veränderungen aber provozieren auch Widerspruch, erzeugen Ängste oder das Bedürfnis nach Sicherheit. Der Ruf nach Versicherung wird unüberhörbar.

Das Prinzip Versicherung bildet einen integralen Bestanddteil jeden Risk Governance-Systems. Als Risikoträger sind deshalb Versicherungsunternehmen besonders darauf angewiesen, Risiken frühzeitig zu erkennen und nicht nur technisch, sondern auch vor dem gesellschaftlichen Hintergrund und gegenüber Werthaltungen zu verstehen. Nur dann sind sie in der Lage, ihre Kunden nachhaltig gegen die finanziellen Folgen von Schadenfällen abzusichern und damit der Gesellschaft als Ganzes das verantwortungsvolle Eingehen von Risiken zu ermöglichen.

Es liegt indes immer an der Gesellschaft zu entscheiden, ob die Vorteile einer neuen Technologie die möglichen Nachteile überwiegen und allgemein geteilte Wertvorstellungen respektiert werden. Dies geschieht in einem Prozess, den zu durchlaufen in einer pluralistischen Gesellschaft nicht immer einfach ist, und der Kompetenz, Umsicht, Respekt, Augenmass und Toleranz erfordert.
Professor emeritus für Risiko-Management und Versicherung, Universität St.Gallen; Präsident, Stiftung Risiko-Dialog, St.Gallen
Leiter des Laboratoriums für Sicherheitsanalytik, Institut für Energietechnik, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich; Mitglied des Board und Scientific and Technical Council des International Risk Governance Council, Genf Abstract
Beitrag aus dem International Risk Governance Council

eingebracht von Wolfgang Kröger, Professor ETH Zürich und Gründungsrektor IRGC [1]

Die Einsicht, dass das Risikokonzept zwar auf einer möglichst fehlerfreien Analyse der mit einem Ereignis, einer Technik oder einer Handlung erwartbaren Konsequenzen und deren Eintrittshäufigkeit aufbaut, aber mit dem jeweiligen Kontext verknüpft und dementsprechend laufend Änderungen unterlieg, rät uns, aus dem Erfahrungswissen der Vergangenheit zu lernen sowie neue oft kontextabhängige Entwicklungen und Herausforderungen rechtzeitig zu erkennen.

Qualvolle Erfahrungen mahnen uns, beim Umgang mit Risiken

- neben der technischen Perspektive, d.h. der Eintritthäufigkeit eines Schadensereignisses und der Höhe des Schadens, die sozialwissenschaftliche Perspektive, d.h. der Einbezug von Aspekten wie die Wahrnehmung von Risiken, die Bewertung der verschiedenen Schadenskategorien sowie der Ausgleich zwischen Nutzen, Kosten und Risiken, mit einzubeziehen und multidisziplinäre Ansätze zu entwickeln (Referenz: Kernenergie);
- Branchen- und Grundmuster-spezifische Unterschiede, Inkonsistenzen und Schieflagen zu identifizieren und multi-sektoriell anzugehen (Referenz: "Lebensrettungskosten für unterschiedliche Risikoarten und -verursacher");
- den Globus als hoch integrierten und vernetzten Ort mit gegenseitigen Abhängigkeiten und hohen Austauschraten zu verstehen und daraus multi-regional anwendbare Ansätze abzuleiten (Referenz: Y2K, Finanzmärkte) und schliesslich
- den verschiedenen Akteuren (Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, NGOs) in einem komplexen Steuerungsprozess (Governance) Funktionen, Rollen und Verantwortlichkeiten zuzuschreiben (Referenz: BSE).

Auch "das Neue" hat viele komplexe Facetten und führt zu Herausforderungen und zum Teil schwer zu vereinbarende Zielkonflikten. Darunter fallen:

- Aufkeimende Technologien als grosse Hoffungsträger (mit hohem Erwartungsnutzen), aber mit z.T. noch unbekannten Nebeneffekten und volatilen Perzeptionsmustern, die noch keine genaue Prognose des zukünftigen Verhaltens erlauben (Referenz: Anwendungen der Nanotechnologie);
- "alte" Technologien, die von neuen durchdrungen oder innovativ neu verbunden werden und dadurch an Grösse, Komplexität und oft auch Verletzbarkeit zunehmen (Referenz: pervasive computing, "system-of-systems");
- neue Rahmenbedingungen (Referenz: Marktliberalisierung) und sich verschärfenden Risikofaktoren (Referenz: größere Eingriffstiefe von neuen Technologien) und gesellschaftliche Abhängigkeiten (Referenz: Kritische Infrastrukturen, Klimawandel und Versorgungssicherheit) etc.

Zudem gewinnen die Festlegung des Problemrahmens, die Anlage des Entscheidungsprozesses sowie die Einigung auf Beteiligung und Verantwortung von Akteursgruppen/Stakeholder zunehmend an Bedeutung. Die daraus resultierenden Anforderungen überschreiten die Grenzen heutiger Risikomanagementkonzepte [2]; sie sind in Richtung Risk Governance weiter zu entwickeln und müssen u.a. alle risikorelevanten Entscheidungen, Aktionen und Kontextfaktoren sowie die Gesamtheit der Akteure einschliessen und sich zudem an Prinzipien "guter Governance" wie Verantwortlichkeit und Transparenz, Effektivität und Effizienz messen lassen.

Der IRGC hat ein in sich geschlossenes  risk governance framework' entwickelt das neuartig ist und versucht, sich den oben ausgeführten Notwendigkeiten und Herausforderungen zu stellen. Es baut auf Vorschlägen aus der Wissenschaft auf, fügt aber neue Elemente hinzu (z.B. "early stage (pre-)assessment", "risk appraisal including concern assessment" und Ableitung einer Risikotyp-spezifischen "default strategy"). Es wurde auf unterschiedliche Risikofelder - zunächst intern - angewandt, befindet sich also noch in der Erprobungsphase.

Das Risk Governance Framework Konzept wird in den Arbeitskreis eingebracht, die einzelnen Phasen erläutert, in einen internationalen Kontext gestellt und anhand von Fallbetrachtungen hinsichtlich Eignung und Attraktivität für Entscheidungsprozesse bewertet.

[1] siehe www.irgc.org
[2] wie ISO/IEC Guide 73
Juniorprofessor für Klimamodellierung auf langen Zeitskalen, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Potsdam Abstract
Anthropogener Klimawandel ist ein Fakt. Wenn auch das Signal im Vergleich zu natürlichen Klimaschwankungen noch relativ klein ist, so kann mittlerweile mit Sicherheit geschlossen werden, dass anthropogene Treibhausgase die bodennahe Temperatur der Erde erhöhen. In den Reaktionen des Klimasystems überwiegen die selbstverstärkenden Rückkopplung im Vergleich zu möglichen abschwächenden Effekten, was die Erwärmung verstärkt.

Die eigentlich entscheidende Frage für unser politisches und ökonomisches Handel ist aber nicht, ob wir bereits das Klima verändert haben, sondern, ob wir es in der Zukunft verändern werden, wenn wir weiter Treibhausgase emittieren. Interessanterweise ist diese Frage noch eindeutiger zu beantworten als die vermeintlich einfachere über den bereits verursachten Klimawandel. Der Grund hierfür liegt darin, dass diese Aussage auf grundlegenden physikalischen Gesetzen basiert - auf den radiativen Eigenschaften der Treibhausgase und den klimatischen Rückkopplungen. Das Strahlungsverhalten von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, Methan usw. kann im Labor sehr genau untersucht werden und ist hinreichend bekannt. Die entscheidenden Reaktionen des Klimasystems sind ebenso bekannt und zeigen in Richtung einer zusätzlichen Erwärmung. Auf dieser mittlerweile gesicherten Grundlage, erwarten wir einen globalen Temperaturanstieg von 2 bis 4 Grad für eine Verdopplung der vor-industriellenTreibhausgaskonzentration auf 560 ppm Kohlendioxidequivalent. Das derzeitige Niveau liegt über 400 ppm.

Daneben steht das von der Europäischen Union bereits 1996 formulierte naturwissenschaftlich motivierte Ziel, dass eine Temperaturerhöhung von mehr als 2 Grad vermieden werden muss, um "gefährlichen Klimawandel" zu vermeiden. Daraus kann mittlerweile abgeleitet werden, dass Treibhausgasemissionen bis 2050 global um wenigstens die Hälfte im Bezug auf den 1990er Wert reduziert werden müssen.

Was bedeutet gefährlicher Klimawandel im Einzelnen ? Welche Folgen und Risiken sind mit dem Klimawandel verbunden ? Es gibt bereits jetzt eine Reihe von beobachteten Folgen der Erderwärmung, die sich bei steigenden Temperaturen verstärken werden. Gebirgsgletscher schmelzen überall auf der Erde ab. Der Meeresspiegel hat sich im vergangenen Jahrhundert um 15cm bis 20cm erhöht - einerseits durch das Schmelzwasser andererseits durch die Ausdehnung des sich erwärmenden Meerwassers. Das Meereis in der Arktis schmilzt rapide ab, so das einige Modelle einen eisfreien Nordpol bereits für den Sommer 2035 prognostizieren, wenn die Emissionen weiter ansteigen wie bisher.

Andere Effekte können nicht mit Sicherheit für die Zukunft prognostiziert werden. Sie stellen Risiken dar, die sich aus physikalischen Überlegungen ableiten oder für die es Hinweise aus Beobachtungen gibt. Bei den meisten dieser Phänomene reichen aber weder statistische Zeitreihen noch physikalisches Verständnis aus um definitive Antworten für die Zukunft zu geben.

Zu diesen Risiken gehört das häufigere Auftreten von extremen Wetterereignissen. Es ist nicht möglich das Wetter für die kommenden Jahrzehnte vorherzusagen. Sehr wohl kann man aber Aussagen über gemittelte Grössen und die Häufigkeit von Abweichungen von diese für die Zukunft treffen. So scheint es wahrscheinlich, dass ein Sommer, wie wir ihn 2003 in Europa erlebt haben, in 20 bis 30 Jahren zum Regelfall gehört und in 50 Jahren sogar eher einen kälteren Sommer in Europa darstellt - falls die Emissionen weiter so ansteigen wie bisher.

Ein weiteres Risiko betrifft das Verschwinden den grossen Landeismassen in der Nähe der Pole. Die Abschmelzgebiete auf Grönland zeigen bereits einen Trend hin zu grösserem Eisverlust. Die Wassermassen, die im grönländischen Eisschild gespeichert sind, entsprechen 7 Meter an weltweitem Meeresspiegel anstieg, das Westantarktische Eisschild enthält weitere 6 Meter, das Ostantarktische sogar 50 Meter. Zur Zeit weiss niemand, ob und vor allem wie schnell diese Wassermassen frei werden. Was wir wissen ist, dass unsere Modelle eine ganze Reihe destabilisierender dynamischer Prozesse nicht berücksichtigen.

Eine wichtige Klasse von Risiken sind die sogenannten "tipping points" oder Kippprozesse des Klimasystems. Hierbei handelt es sich um Regionen oder Prozesse, die besonders sensitiv auf den Klimawandel reagieren. Eine interne Schwelle in der Dynamik dieser Systeme führt dazu, dass jenseits einer gewissen Klimaveränderung die Reaktion des Systems besonders heftig und rapide ausfällt. Beispiele hierfür sind der indische Sommermonsun ebenso wie die Atlantische thermohaline Zirkulation. Bei beiden Phänomenen kann es zu einem plötzlichen Stillstand kommen, die dann möglicherweise nicht mehr ohne weiteres rückgängig gemacht werden kann. Es ist derzeit nicht möglich abzuschätzen ob und wann dieses geschieht. Die Folgen wären in beiden Fällen verheerend.

Im Bezug auf "risk governance" birgt der Klimawandel die Herausforderung der Berücksichtigung möglicher Risiken vor dem Hintergrund bereits sicherer Folgen für die Zukunft.
Direktor, Zentrum Philosophie und Wissenschaftstheorie, Universität Konstanz; Vorsitzender, Österreichischer Wissenschaftsrat, Wien Abstract
Wissenschaft und Technik lösen Probleme technischer Kulturen, in die sich die moderne Gesellschaft verwandelt hat, aber sie führen auch zu neuen Problemen. Dafür sind Umweltprobleme und Probleme der Gentechnik und der Reproduktionsmedizin bekannte Beispiele. In besonderem Maße gilt dies im Falle neuer wissenschaftlicher und technischer Entwicklungen, deren Folgen auch dann, wenn sie die Lösung bestimmter Probleme versprechen, im Einzelnen nicht abzusehen sind. Das Neue ist nicht nur das, was die wissenschaftliche und die technische Entwicklung vorantreibt, sondern auch das, was zwischen Chancen und Risiken nicht eindeutig unterscheiden lässt. Dies ist auch der Grund, warum in der neueren Entwicklung von Wissenschaft und Technik Akzeptanzprobleme auftreten - auch dort, wo von einer oft beschworenen Technikfeindschaft nicht die Rede sein kann. Zu Unklarheiten des Neuen treten gesellschaftliche Unklarheiten, aber auch grundsätzliche Unklarheiten im Begriffsfeld von Risiko und Akzeptanz. Davon soll unter den Stichworten Voraussagbarkeit, Emergenz, Risiko, Akzeptanz und Akzeptabilität in einer philosophischen Perspektive die Rede sein.
Deputy Head of the Institute, HEALTH - Institute for Biomedicine and Health Sciences, JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH, Graz Abstract
Die Nanotechnologien werden neben der Biotechnologie und Informationstechnologie als die Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts mit weit reichenden Auswirkungen auf die Wissenschaft, die industrielle Entwicklung und die Entstehung neuer Produkte und daher als höchst bedeutsam für eine erfolgreiche volkswirtschaftliche Entwicklung der kommenden Jahrzehnte angesehen. Gegenstand der Nanotechnologie, welche ein Sammelbegriff für unterschiedliche Techniken im Nanometerbereich ist, ist die Herstellung, Untersuchung und Anwendung von Strukturen, molekularen Materialien, inneren Grenzflächen und Oberflächen mit kritischen Dimensionen oder Fertigungstoleranzen von einigen wenigen bis ca. hundert Nanometern. In den wichtigsten Industriesparten wird in zunehmendem Maße erkannt, dass die Kontrolle der strukturellen und funktionellen Eigenschaften neuartiger Materialien - so genannter "Advanced Materials" - auf der Nanometer-Skala den Schlüssel für technologischen Fortschritt und die Entwicklung neuer Produkte zur Eroberung neuer Märkte darstellt. Schon heute sind nanostrukturierte Materialien in vielen Produkten des täglichen Lebens enthalten und weisen durch ihre Nanostrukturierung neuartige Eigenschaften auf. So gibt es am Markt z.B. transparente Holzlacke gegen Vergrauung, nanostrukturiertes Silber zur Desinfektion in Kleidung, hoch sensitive Gen-Arrays (Labordiagnostik) und Zusatzstoffe in Kosmetika, Zahnpasten, Nahrungsmitteln, etc.
Es ist wahrscheinlich, dass die Nanotechnologie vor allem die Medizin in nicht allzu ferner Zukunft revolutionieren wird. So werden z.B. in der Sensorik, der Diagnostik, in der Schaffung von bioverträglicheren Oberflächen Neuerungen erwartet. Längerfristig dürften völlig neuartige Diagnose- und Therapiekonzepte entstehen, die denjenigen der "klassischen" Medizin in vielen Fällen weit überlegen sein werden. Diagnosen werden schneller, oft schon im Frühstadium einer Krankheit durchgeführt werden und liefern spezifischere und genauere Resultate. Nanobasierende Produkte werden neue Therapiemöglichkeiten eröffnen, werden wirksamer sein als konventionelle Therapien und weniger Nebenwirkungen aufweisen. Vor allem bei Krebs, aber auch bei viralen Erkrankungen und anderen Krankheiten sind erhebliche Fortschritte zu erwarten.

Jedoch sind neben den offensichtlich vorhandenen Vorteilen solcher Advanced Materials, auch unerwünschte Wirkungen auf die Umwelt und den Mensch zu befürchten. So ist die Toxikologie dieser Materialien bislang nur ungenügend erforscht. Durch die Strukturierung der eingesetzten Materialien im Nanometerbereich wird neben den erwünschten physiko-chemischen Veränderungen auch eine Modifikation ihres toxikologischen Verhaltens beobachtet, die sich z.B. in einer erhöhten Inzidenz cardiovaskulärer Erkrankungen und einer verstärkten Neigung zu asthmatischen Erkrankungen äußert. Die Abänderung des toxikologischen Potentials, welche auf die Reduktion des Materials in den Nanometerbereich zurückzuführen ist, wurde bis vor wenigen Jahren noch in vielen Fällen negiert und ihre Bedeutung erst in den letzten Jahren erkannt. Diese Effekte sind von daher nicht zu vernachlässigen, da aufgrund eines immer breiter werdenden Einsatzes von nanostrukturierten Materialien und durch deren Freisetzung innerhalb ihres Lebenszykluses, der Menschen und seine gesamte Umwelt dauerhaft solchen Materialien ausgesetzt sind. Ein profundes Wissen über das toxikologische Potential der eingesetzten nanostrukturierten Materialien, ihrer Abbauprodukte, ihre Penetration in den menschlichen Körper, ihre Metabolisierung im menschlichen Körper sowie ihre Ausscheidung ist daher von enormer Bedeutung.

Das Wissen um die Nanotoxikologie, die Möglichkeit der kritischen Abschätzung des Gefahrenpotentials anhand standardisierter Untersuchungsverfahren und die hiermit durchgeführten systematischen Untersuchung von Nanomaterialien werden über die öffentliche Akzeptanz entscheiden. Die öffentliche Akzeptanz ist wiederum die Vorraussetzung für die nachhaltige und erfolgreiche Entwicklung der Nanotechnologie. Eine schlechte öffentliche Akzeptanz z.B. ausgelöst durch einen unzureichenden Informationsstand im Bereich Nanotoxikologie könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer ähnlichen ablehnenden Entwicklung wie bei der Gentechnik führen.
Aufgrund der Tatsache, dass wir bereits jetzt in steigendem Ausmaß Nanomaterialien in unserer Umwelt ausgesetzt sind, beschäftigen sich viele Arbeitsgruppen mit Untersuchungen zu dieser Thematik. Es zeigt sich aber immer stärker, dass ein enormer Bedarf an Standardisierung besteht. Der Grosteil der bis dato publizierten Daten verwendet entweder nicht ausreichend charakterisiertes nanostrukturiertes Material oder setzt ungenügend standardisierte Messmethoden ein. Hierdurch finden sich in der Literatur zum Teil widersprüchliche Daten und ein Vergleich der publizierten Studien untereinander ist kaum möglich. Dies bedingt auch, dass eine Klassifizierung von Schlüsselparametern für die Einschätzung der Toxizität von nanostrukturierten Materialien zurzeit nicht möglich ist.

Im Vortrag soll eine kurze Übersicht über die Möglichkeiten der Nanotechnologien, ihrer Chancen und ihrer Risken gegeben werden. Es soll gezeigt werden, welch enormes Potential diese Technologien bergen. Anhand exemplarischer Beispiele soll gezeigt werden, was sich am Markt befindet und woran zurzeit geforscht wird.
Da jede neue Technologie auch mit Risiken behaftet ist, sollen auch mögliche Risiken der Nanotechnologie insbesondere auf den Menschen diskutiert werden. Die potentiellen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit stehen hierbei im Vordergrund. Es wird ein Überblick über den Stand des Wissens und aktueller internationaler und nationaler Entwicklungen auf diesem Gebiet gegeben werden.
Executive Manager, Science Center Network, Vienna Abstract
Neue Forschungen und Technologien erwecken Fragen bezüglich deren Risiken. Die Bevölkerung soll in Risk governance Strategien einbezogen werden - doch dies setzt ihr Interesse voraus und damit auch für Laien leicht zugängliche Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema.

Science Center Aktivitäten können hier eine wichtige Rolle spielen. Durch ihre hands-on bzw. minds-on Ansätze laden sie zu einem spielerischen, unbefangenen Zugang zu Forschung und Technik ein. Sie motivieren, selbständig und auch ohne Vorwissen wissenschaftliche oder technische Phänomene und Zusammenhänge zu ergründen und regen zum Weiterdenken an. Dadurch entwickeln die BenutzerInnen selbst ihre Fragen - auch hinsichtlich der Risiken, die der Einsatz der jeweiligen Technologien darstellen könnte.

Das österreichische Science Center Netzwerk vereinigt über 60 PartnerInnen mit dem gemeinsamen Ziel, interaktive Angebote zum selbstbestimmten Lernen über Wissenschaften und Technik zu schaffen, Berührungsängste abzubauen, Neugier auf wissenschaftliche Zusammenhänge und Freude an Innovation zu wecken. Dies unterstützt einen zukunftsorientierten Zugang zu Wissenschaften und Technik als wichtigen Bestandteilen unserer Gesellschaft und Wirtschaft.

In diesem Beitrag wird das Science Center Netzwerk und seine Rolle hinsichtlich Risikokommunikation anhand von Beispielen konkreter Science Center Aktivitäten - Ausstellungen, Experimente, Diskussionsspiele - vorgestellt.
Deputy Director General for Innovation and Telecommunication; Head of Directorate for Innovation, Austrian Federal Ministry of Transport, Innovation and Technology, Vienna Chair
Referent, Abteilung III.I 5 - Informations- und industrielle Technologien, Raumfahrt, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, Wien Coordination

Dr. Thomas K. EPPRECHT

Direktor, Risk Engineering Services, Swiss Reinsurance Company, Zürich

 Promovierte in Biochemie und ist Experte für "Emerging Risks" in der Stabsabteilung Product Services von Swiss Re, des weltweit größten Rückversicherungsunternehmens. Er ist verantwortlicher Direktor der Bereiche Bio- und Nanotechnologie, wo er seine Fach- und Beratungskompetenz bei der Risikobeurteilung sowie der Festlegung und Umsetzung der Strategie für die Sparte Haftpflicht einbringt. Er vertritt Swiss Re in verschiedenen nationalen und internationalen Fachgremien, die sich mit den Auswirkungen dieser jungen Technologien auf Geschäft, Gesellschaft und Politik beschäftigen.
 Bevor Thomas Epprecht zu Swiss Re stieß, war er in Forschung und Lehre am Biochemischen Institut der Universität Zürich tätig. Im Anschluss an das Doktorat arbeitete er nacheinander für zwei Planungs- und Engineeringunternehmen, wo er als Berater für Umweltrisiken und industrielle Gefährdungspotenziale wirkte.

Dr. Matthias HALLER

Professor emeritus für Risiko-Management und Versicherung, Universität St.Gallen; Präsident, Stiftung Risiko-Dialog, St.Gallen

 Studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen
  wirtschaftspolitischer Zielkonflikte.
1972 Promotion in Volkswirtschaftslehre bei Prof. W.A. Jöhr zur Thematik
1976 Wahl zum Direktor des Instituts für Versicherungswirtschaft (I.VW-HSG).
  Universität St. Gallen.
1980 Übernahme der Professur für Risiko-Management und Versicherung an der
  Managementkurse für hohe Nachwuchskader der int. Assekuranz.
  Präsident des Geschäftsleitenden Ausschusses des I.VW-HSG.
1987-2007 Gründung und regelmässige Durchführung der neunwöchigen IMEA-Top
  Risikoprobleme und die Verbesserung des Dialogs im Bereich von Gesellschaft,
  Industrie und Finanzdienstleistungen ausgerichtet ist.
1989 Gründung der Stiftung Risiko-Dialog, welche auf eine integrale Erfassung der
  Europa, China und den USA durchgeführt), gemeinsam mit KollegInnen der
  Vlerick Management School, Gent (B) und der Universität St. Gallen. Mitwirkung
  bei der Schaffung eines wissenschaftlichen Nachdiplomkurses "Risiko und
  Sicherheit" als Kooperation ETH/HSG.
  Entwicklung eines Konzepts für das Integrierte Risiko-Management.
1998 Mitbegründer des MBA "Financial Services and Insurance" (derzeit zum 5. Mal in
  rethinking business risk in a social context."
2002 Einladung zum World Economic Forum, New York, zum Thema "11th September -
  Übergangsvorlesung an der Universität St. Gallen: "Je planmässiger die Menschen
  vorgehen, desto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen" (Friedrich Dürrenmatt).
2004 Key Note Vortrag im ISC-Kongress der HSG zu "Insecurity - an epidemic?"

Dr.-Ing. habil. Wolfgang KRÖGER

Leiter des Laboratoriums für Sicherheitsanalytik, Institut für Energietechnik, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich; Mitglied des Board und Scientific and Technical Council des International Risk Governance Council, Genf

 Prof. Kröger studierte Maschinenbau an der RWTH Aachen, promovierte dort 1974 zum Dr.-Ing. und wurde 1986 habilitiert. Bis zu seinem Wechsel in die Schweiz leitete er das Institut für Nukleare Sicherheitsforschung des Forschungszentrums Jülich.
 Sein jetziges Hauptinteresse gilt methodischen Fragen der Modellierung, Analyse und Optimierung komplexer technischer Systeme sowie der Bewertung und Handhabung groß-technischer Risiken in einem breiteren sozio-ökonomischen Kontext.
1990 an die ETH Zürich berufen, leitet er als ordentlicher Professor das Laboratorium für Sicherheitsanalytik. Gleichzeitig ist er Gründungsrektor des International Risk Governance Council (www.irgc.org), der im Juni 2003 etabliert wurde. Vorher war er hauptamtlich Leiter des Forschungsbereiches "Nukleare Energie, Sicherheit" am Paul Scherrer Institut PSI und Mitglied dessen Direktion.

Dr. Anders LEVERMANN

Juniorprofessor für Klimamodellierung auf langen Zeitskalen, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Potsdam

1992-2000 Studium der Physik und Mathematik in Marburg, Berlin und Kiel; Diplom in Physik bei Prof. H.G. Schuster
1995-1996 Zivildienst in Psychiatrie in Jerusalem, Israel
2000-2003 Ph.D. in theoretischer Physik am Weizmann Institute of Sciences, Rehovot, Israel; bei Prof. I. Procaccia in 2003
2003-2006 Postdoc im Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, bei Prof. S. Rahmstorf
seit 2005 Projektleiter von AO-Quest zum Zusammenwirken von Atmosphäre und Ozean im Klimasystem
seit 2006 Juniorprofessor an Universität Potsdam und Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

Dr. Dr. h.c. mult. Dr.-Ing. e.h. Jürgen MITTELSTRASS

Direktor, Zentrum Philosophie und Wissenschaftstheorie, Universität Konstanz; Vorsitzender, Österreichischer Wissenschaftsrat, Wien

1956-1961 Studium der Philosophie, Germanistik und evangelische Theologie in Bonn, Erlangen, Hamburg und Oxford
1961 Promotion in Erlangen
1968 Habilitation
1970-2005 Ordinarius für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität Konstanz
seit 1990 zugleich Direktor des Zentrums Philosophie und Wissenschaftstheorie
1985-1990 Mitglied des Wissenschaftsrates
1992-1997 Mitglied des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
1995-1998 Mitglied des Rates für Forschung, Technologie und Innovation beim (deutschen) Bundeskanzler
seit 2002 Präsident der Academia Europaea, der Europäischen Akademie der Wissenschaften (mit Sitz in London)
seit 2005 Vorsitzender des Österreichischen Wissenschaftsrates

DI Dr. Frank SINNER

Deputy Head of the Institute, HEALTH - Institute for Biomedicine and Health Sciences, JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH, Graz

1990-1997 Study of Technical Chemistry, Graz University of Technology, Austria
1994-1995 Study of Maîtrise de Chemie et Biologie Végétale Appliquées, Perpignan, France
1997-2000 Ph.D. thesis, University of Innsbruck
since 2001 Head of Department, Bioanalytics, JOANNEUM RESEARCH
  focus on bionanotechnology.
since 2006 CEO of the BioNanoNet GmbH, a platform in the development of new pharmaceutical development with a strong

Dr. Barbara STREICHER

Executive Manager, Science Center Network, Vienna

  University of Vienna
1993-1997 Dissertation in the group of Prof. Renée Schroeder on RNA splicing, Institute for Microbiology and Genetics,
1998-2006 Building up and team leader of dialog<>gentechnik, numerous projects on public understanding of gene technology
since 2005 Executive manager of the Austrian association "Science Center Network"

Mag. Ingolf SCHÄDLER

Deputy Director General for Innovation and Telecommunication; Head of Directorate for Innovation, Austrian Federal Ministry of Transport, Innovation and Technology, Vienna

1978 Studienabschluss, Volkswirtschaft, Universität Wien
1978-1979 Studium, Internationale Politik, Paul H. Nitze School of Advanced International Studies, Johns Hopkins Universität, Bologna
1979-1980 Forschungsassistent, Wiener Institut für Entwicklungsfragen, Wien
1981 Eintritt in den öffentlichen Dienst, Referent, Bundeskanzleramt, Wien
1993 Leiter, Abteilung für Technologiepolitik und -programme, Bundesministerium für öffentliche Wirtschaft und Verkehr, Wien
2003 Leiter, Bereich Innovation; stellvertretender Sektionsleiter, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, Wien
2010 Übernahme des Vorsitzes, EU-Joint Programming Initiative Urban Europe

Technologiegespräche

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23.08.2007

10:00 - 23:00Präsentation der drei Christian Doppler Laboratorien zum Thema AllergieCulture
10:00 - 12:00Technologiebrunch gegeben von der Tiroler ZukunftsstiftungSocial
13:00 - 13:20BegrüßungPlenary
13:20 - 14:00EröffnungPlenary
14:00 - 16:00Die globale ErwärmungPlenary
16:30 - 18:15Die Zukunft der Wissenschaft [in Zusammenarbeit mit dem Institute of Science and Technology Austria]Plenary
20:00 - 21:30Der Blick nach innenPlenary
21:30 - 23:30Empfang gegeben von Alcatel-Lucent AustriaSocial

24.08.2007

09:00 - 14:30Arbeitskreis 01: Das Neue und das Risiko - 'risk governance'Breakout
09:00 - 14:30Arbeitskreis 02: Industrie im Wandel - Chancen, Herausforderungen, StrategienBreakout
09:00 - 14:30Arbeitskreis 03: Klimawandel und 'risk governance' - die Rolle von Forschung, Wissenschaft und InnovationBreakout
09:00 - 14:30Arbeitskreis 04: Neue Initiativen und Modelle des 7. EU Forschungs-Rahmenprogramms zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit - Europäische Technologieplattformen aus österreichischer und europäischer SichtBreakout
09:00 - 14:30Arbeitskreis 05: Das Ende der IT-Innovationen - Wachstumschance für Europa?Breakout
09:00 - 14:30Arbeitskreis 06: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Mobilität - die Herausforderung an die Infrastruktur und den IndividualverkehrBreakout
09:00 - 14:30Arbeitskreis 07: Design by nature - der Beitrag der Natur zum industriellen FortschrittBreakout
09:00 - 14:30Arbeitskreis 08: Smart WellbeingBreakout
09:00 - 14:30Arbeitskreis 09: Die fünf SinneBreakout
09:00 - 14:30Arbeitskreis 10: Technologietransfer der europäischen RegionenBreakout
09:00 - 14:30Arbeitskreis 11: Phänomen Second Life - Die Erschaffung einer neuen Welt?Breakout
09:00 - 18:00Junior Alpbach - Wissenschaft und Technologie für junge MenschenBreakout
09:00 - 18:00Ö1 Kinderuni Alpbach - Wissenschaft und Technologie für KinderBreakout
09:30 - 15:30Sonderveranstaltung: Bulgarien und Rumänien als Partner in der europäischen Wissenschaft und ForschungBreakout
15:00 - 16:30Globaler Wettbewerb der RegionenPlenary
16:30 - 18:00Die Zukunft - Traum oder WirklichkeitPlenary
18:30 - 20:00Die fünf SinnePlenary
20:00 - 23:30Empfang gegeben vom Land NiederösterreichSocial

25.08.2007

09:00 - 10:00Was hat sich verändert?Plenary
10:00 - 11:00SicherheitPlenary
11:30 - 12:00Junior Alpbach und Ö1 Kinderuni Alpbach 2007Plenary
12:00 - 13:00Wissenschaft & Technologie, Unternehmertum & GesellschaftPlenary
13:00 - 13:20Rückblick und AusblickPlenary
13:20 - 14:30Empfang gegeben von Microsoft ÖsterreichSocial