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Kreativität. Wie Kinder lernen – Lernen wie die Kinder?

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Erwin-Schrödinger-Saal
Plenary / Panel
in deutscher Sprache

Vortragende

Professor of Neurobiology and Head, Center for Neurobiological Prevention Research, University of Göttingen and University of Mannheim/Heidelberg, Göttingen Abstract
Kindergehirne sind formbarer - und deshalb auch verformbarer - als das selbst die Hirnforscher noch bis vor wenigen Jahren geglaubt hatten. Das gilt insbesondere für den jüngsten Teil des Gehirns, das Frontalhirn.
Die in dieser Region während der Kindheit herausgebildeten Verschaltungen sind für die Steuerung der wichtigsten späteren Leistungen des menschlichen Gehirns zuständig (Selbstwirksamkeitskonzept und Motivation, Impulskontrolle und Handlungsplanung, soziale und emotionale Kompetenz). Um die hierfür erforderlichen, hochkomplexen Verschaltungen ausbilden zu können, müssen Kinder und Jugendliche möglichst viele und möglichst unterschiedliche eigene Erfahrungen machen. Dazu brauchen sie vielfältige stimulierende (ihre emotionalen Zentren aktivierende) Angebote und Herausforderungen und - um diese annehmen und erfolgreich bewältigen zu können - Sicherheit- und Orientierung-bietende Bindungsbeziehungen, also Vertrauen.
Nur unter dem einfühlsamen Schutz und der kompetenten Anleitung durch erwachsene  Vorbilder können Kinder vielfältige Gestaltungsangebote auch kreativ nutzen und dabei ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten erkennen und weiterentwickeln. Nur so kann im Frontalhirn ein eigenes, inneres Bild von Selbstwirksamkeit stabilisiert und für die Selbstmotivation in allen nachfolgenden Lernprozessen genutzt werden.

Aus neurowissenschaftlicher Perspektive werden Lernprozesse nur dann erfolgreich verlaufen und zu einer Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung führen, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

1. Lernen ist ein aktiver Prozess der Entfaltung individueller Potenziale. Kinder und Jugendliche brauchen dazu eigene, vor allem auch eigenverantwortliche Gestaltungsmöglichkeiten. (Aufgaben, an denen sie wachsen können)
2. Lernprozesse gelingen um so besser, je stärker sie in der subjektiven Bewertung mit positiven Gefühlen besetzt und damit verkoppelt werden: a) durch emotional positiv besetzte Vorbilder ( supportive Leadership ). b) durch positive emotionale Bewertung des Lernstoffes (eigene Gestaltungsmöglichkeiten, eigene Anwendbarkeit). c) durch positive emotionale Rückkopplung innerhalb der sozialen Gemeinschaft (Wertschätzung, Anerkennung) und d) durch die positive emotionale Einbindung in ein übergeordnetes, gemeinschaftliches Wertesystem (Identifikation, Integration, Sinnhaftigkeit, Bedeutsamkeit).
3. Je weniger Lernprozesse in feste Vorgaben und starre Strukturen gepresst werden, desto besser gelingt diese positive emotionale Aufladung und umso leichter fällt das Lernen. (individuelle Freiräume und eigene Gestaltungsmöglichkeiten)
4. Damit Erziehungs- und Bildungsprozesse gelingen können, müssen sie in einem, die Lernprozesse begünstigendem  Betriebsklima erfolgen. Dieses Klima kann nur dann innerhalb einer Familie oder innerhalb einer Schule geschaffen und aufrecht erhalten werden, wenn es auch in der übergeordneten Lebenswelt, also der Kommune hinreichend gut entwickelt und stabilisiert wird. ( Um Kinder optimal zu erziehen braucht man ein ganzes Dorf )

Was für Kinder und Jugendliche gilt, gilt auch für Erwachsene: Wer die kreativen Potenziale seiner Mitarbeiter in einem Unternehmen zur Entfaltung bringen will, muss nicht nur selbst kreativ sein, er muss auch ein Betriebsklima schaffen, in dem ein kreativer Geist herrscht. Kreativ kann man auch als Erwachsener nur dann sein, wenn
- es sinnvolle Herausforderungen gibt
- man nicht mit festgefahrenen Vorstellungen herumläuft
- einem die angeborene Entdeckerfreude und Gestaltungslust noch nicht gänzlich ausgetrieben wurde
- man sich selbst etwas zutraut
- kein Druck herrscht und man Muße zum Nachdenken hat& und natürlich
- man möglichst viel weiß und bereits erfahren hat.

In Zukunft wird es allerdings weniger auf weitere neue neurowissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auf die Entwicklung innovativer Konzepte zur Umsetzung des inzwischen vorhandenen Wissens ankommen.

Kurzvita:
Prof. Dr. Gerald Hüther ist Neurobiologe und leitet die Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen und des Instituts für Public Health der Universität Mannheim/Heidelberg. Wissenschaftlich befasst er sich mit dem Einfluss früher Erfahrungen auf die Hirnentwicklung, mit den Auswirkungen von Angst und Stress und der Bedeutung emotionaler Reaktionen. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und populärwissenschaftlicher Darstellungen (Sachbuchautor).

Bücherliste:
1. G. Hüther: Biologie der Angst, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen, 1997.
2. G. Hüther: Die Evolution der Liebe, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen, 1999.
3. G. Hüther: Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2001.
4. G. Hüther: Die Macht der inneren Bilder, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2004.
5. G. Hüther, H. Bonney: Neues vom Zappelphilipp. Walter Verlag Düsseldorf, 2002.
6. G. Hüther, I. Krens: Das Geheimnis der ersten neun Monate. Walter Verlag Düsseldorf 2005.
7. K. Gebauer, G. Hüther: Kinder brauchen Wurzeln, Walter Verlag Düsseldorf, 2001.
8. K. Gebauer, G. Hüther: Kinder suchen Orientierung, Walter Verlag Düsseldorf, 2002.
9. K. Gebauer, G. Hüther: Kinder brauchen Spielräume, Walter Verlag Düsseldorf, 2003.
10. K. Gebauer, G. Hüther: Kinder brauchen Vertrauen. Patmos Verlag Düsseldorf 2004.
11. C. Nitsch, G. Hüther: Kinder gezielt fördern. Gräfe und Unzer, München, 2004.
12. M. Storch, B. Cantieni, W. Tschacher und G. Hüther: Embodiment. Huber 2006
13. W. Bergmann, G. Hüther: Computersüchtig. Kinder im Strudel der Medien. Walter 2006
14. J. Prekop, G. Hüther: Die Schätze unserer Kinder. Kösel Verlag 2006
15. Hüther, G., Nitsch, C., Wie aus Kindern glückliche Erwachsene werden, Gräfe und Unzer Verlag München 2008. ISBN 978-3-8338-0747-3.
Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur der Republik Österreich, Wien
Geschäftsführer, JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH, Graz Chair

DDr. Gerald HÜTHER

Professor of Neurobiology and Head, Center for Neurobiological Prevention Research, University of Göttingen and University of Mannheim/Heidelberg, Göttingen

1969-1971 Basic Studies: General Biology, University of Leipzig
1971-1973 Special Study Program: Animal Physiology, University of Leipzig
1973-1976 Research Study Program: Neurohistochemistry, University of Leipzig
1979-1989 Research Fellow, Head of research project "Neurodevelopment" at the MPI for experimental Medicine, Göttingen
1988 Habilitation, Medicin, University of Göttingen
1995-2006 Head, Neurobiological Research Unit, Psychiatric Department, University of Göttingen
since 2006 Head, Center for Neurobiological Prevention Research, University of Göttingen (Psychiatric Clinic) and University of Mannheim/Heidelberg (Institute of Public Health)

Dr. Claudia SCHMIED

Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur der Republik Österreich, Wien

1983 Studium mit dem Doktorat, Wirtschaftsuniversität Wien
1983 Firmenkundenbetreuerin, "Investkredit"
1995 Leiterin der Abteilung Unternehmensfinanzierungen
1997 Wirtschaftspolitische Beraterin, Kabinett des Bundesministers und Staatssekretärs für Finanzen
2000 In der "Investkredit" zurück
2004 Vorstandsmitglied der "Kommunalkredit Austria"
seit 2005 Vorstandsmitglied "Dexia Kommunalkredit Bank" sowie Mitglied des Aufsichtsrates in mehreren Unternehmen
seit 2007 Bundesministerin
seit 2008 In der Regierung von Bundeskanzler Werner Faymann als Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur

Dr. Bernhard PELZL

Geschäftsführer, JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH, Graz

 Studium der Sprachwissenschaften, Orientalistik, Geschichte und Philosophie (Wissenschaftstheorie) an der Karl-Franzens-Universität Graz
1971-1979 Forschungs- und Lehrtätigkeit an den Universitäten Graz, Hamburg und Münster/Westfalen, dazwischen Verlagslektor und Buchhändler
1979-1997 Beim ORF Österreichischer Rundfunk, zuletzt Leiter der Ö1-Reihe "Dimensionen", Wien
  Honorar-Professor für Medienwissenschaften (Ästhetik, Semiotik, Rhetorik) an der Karl-Franzens-Universität Graz
  Consultant für Managementberatung und Marketing
seit 1997 Wissenschaftlicher Direktor der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH, Graz

Technologiegespräche

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27.08.2009

10:00 - 12:30Technologiebrunch der Tiroler ZukunftsstiftungSocial
13:00 - 13:10Eröffnung durch das Europäische Forum AlpbachPlenary
13:10 - 14:00EröffnungsreferatePlenary
14:00 - 16:00Wege aus der Krise - neue Perspektiven durch Forschung und Innovation?Plenary
16:30 - 18:00Die Zukunft der StammzellenforschungPlenary
20:00 - 21:30Blick in die Vergangenheit - das Rätsel unserer HerkunftPlenary
21:30 - 23:30Abendempfang gesponsert durch Forschung Austria in Kooperation mit der GFF und dem BMVITSocial

28.08.2009

09:00 - 15:30Arbeitskreis 01: Können wir unseren Nahrungsmitteln vertrauen?Breakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 02: Forschungs-, technologie- und innovationspolitische (FTI) Strategien im internationalen VergleichBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 03: "Säen und Ernten" in der bio(techno-)logischen Forschung: Vom atomaren Bauplan der Proteine zur Entwicklung neuer Arzneimittel und ihrer klinischen AnwendungBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 04: Biomedical and Pharmaceutical Engineering - Schlüsseltechnologien des 21. JahrhundertsBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 05: Infratech - Krise als ChanceBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 06: Kreativität - Treibstoff der Wissensgesellschaft?Breakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 07: Creative Industries vs. Old Economy: Wohin steuert die Wirtschaft?Breakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 08: Universitäten: Verantwortung für die ZukunftBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 09: Vertrauen in die Zukunft - Investieren in die ForschungBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 10: Digital Government im Spannungsfeld zwischen Bürger und VerwaltungBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 11: E-Mobility AustriaBreakout
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09:00 - 15:00Technologieworkshop: Trend-Radar Gesellschaftliche EntwicklungenBreakout
09:00 - 15:00Ö1 Kinderuni Alpbach - Wissenschaft und Technologie für KinderBreakout
10:00 - 15:00Sonderveranstaltung: Positionierung Österreichs im internationalen WissensraumBreakout
16:30 - 17:45Kreativität. Wie Kinder lernen - Lernen wie die Kinder?Plenary
18:15 - 20:00Innovative Forschungsstandorte - Regionen im WettbewerbPlenary

29.08.2009

09:30 - 10:45Vertrauen in die Wissenschaft? Integrität in der wissenschaftlichen ForschungPlenary
10:45 - 11:30Die Zukunft des Universums - Perspektiven für Astrophysik und KosmologiePlenary
12:00 - 13:00I-Brain - die technologische Evolution des Gehirns?Plenary
13:00 - 13:15Abschluss-StatementPlenary
13:15 - 14:00Imbiss zum Abschluss der VeranstaltungSocial