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Wege aus der Krise – neue Perspektiven durch Forschung und Innovation?

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Erwin-Schrödinger-Saal
Plenary / Panel
in deutscher Sprache

Vortragende

Nobelpreisträger für Chemie; Direktor, Emeritus Gruppe Strukturforschung, Max-Planck-Institut für Biochemie, Martinsried
Chairman of the Board of Trustees, Falling Walls Foundation gGmbH, Berlin Abstract
Wer Wege aus der Krise sucht, muss zwangsläufig die ausgetretenen Pfade verlassen und neue Wege einschlagen. Forschung ist fraglos ein elementarer Baustein, um diese neuen Wege zu beschreiten. Allerdings muss man schon frühzeitig und mit großem Weitblick damit beginnen und nicht erst unter dem Eindruck einer akuten Krise. Die Helmholtz-Gemeinschaft fühlt sich deshalb einer nutzeninspirierten Grundlagenforschung verpflichtet, die langfristig orientierte Forschungsvorhaben in Angriff nimmt, bei denen zwar nicht von vornherein klar ist, welche Innovationen sie genau hervorbringen werden, wohl aber, welches Problem sie angehen. Mit ihren 28 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stellt sich die Helmholtz-Gemeinschaft in den Dienst der Lösung großer und drängender Fragen in sechs Forschungsbereichen Umwelt, Energie, Gesundheit, Struktur der Materie, Schlüsseltechnologien sowie Verkehr und Weltraum.
Dass Fragen wie diese nicht im Alleingang beantwortet werden können, versteht sich von selbst. Ein weiterer wichtiger Baustein für den Weg aus der Krise sind daher strategische Partnerschaften. Das gilt zum einen innerhalb des Wissenschaftsbereichs, wo die Helmholtz-Gemeinschaft insbesondere mit den Universitäten neue und enge Formen der Zusammenarbeit etabliert, aber auch und besonders zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.
Was als dritter Baustein für einen Weg aus der Krise nicht vergessen werden darf ist, dass es gerade im Forschungsbereich die Talente sind, die erfolgsentscheidend wirken. Es gilt also, sehr guten Forschern sehr gute Arbeitsbedingungen zu bieten, vor allem aber auch dafür zu sorgen, dass aus vielversprechenden Talenten sehr gute Forscher werden können. Das ist nicht nur eine Aufgabe der Wissenschaftsorganisationen, sondern muss als gesamtgesellschaftliche Priorität begriffen werden.
Chairman of the Board, Infineon Technologies AG, Munich Abstract
Heute gibt es in der Halbleiterindustrie immer weniger Fertigungskapazität in Europa. Da die Transportkosten bei den Chips nicht ins Gewicht fallen, ist der Wettbewerb mit den Ländern, die günstige Personalkosten haben, extrem direkt. Ein Trend, der auch für andere Technologiebranchen gilt und dazu geführt hat, dass einige Segmente aus Europa verschwunden sind. Trotzdem glauben wir an eine Zukunft der Fertigung in Europa. Ein wesentlicher Vorteil ist dabei die Nähe zu Schlüsselindustrien in Europa - Trends, die in Europa geboren und international ausgerollt werden.

Das allein wird aber nicht genügen. Den Lohnkostennachteil können wir nur durch ein Set von Kompetenzen ausgleichen, die in ihrem Zusammenwirken einen erheblichen Wettbewerbsvorteil darstellen. Bei Infineon haben wir dazu die Initiative "InnovationFab" ins Leben gerufen. Dabei arbeiten wir nicht nur an neuen Maschinen, sondern verbessern auch Fertigungskonzepte und Geschäftsprozesse.

Einige Beispiele:
- Zero Defect (Null Fehler) ist ein vielleicht überraschendes Beispiel für Innovation: Niemand hat geglaubt, dass man die Zahl der Fehler auf praktisch Null reduzieren kann. Mit diesem neuen Denkansatz sind wir in der Halbleiterindustrie weltweit führend.
- Neue Fertigungskonzepte, wie z. B. die im ersten Ansatz fertigungstechnisch unmöglich erscheinende Dünnscheibentechnologie: Mit hauchdünnem Silizium gelingt ein großer Sprung in der Performance von Leistungshalbleitern, die Schlüsselprodukte für Energieeffizienz sind.
- Neue Automatisierungskonzepte: Eine ältere Fertigung mit zum Teil hoher Komplexität nachträglich zu automatisieren ist eine große Herausforderung. Mit innovativen Konzepten können Mensch und Roboter "Hand in Hand" arbeiten und erhöhen damit die Wettbewerbsfähigkeit.

Eine wesentliche Unterstützung für innovative Fertigung sind enge Netzwerke aus Industrie, spezialisierten Lieferanten in der Region und Forschungseinrichtungen, ergänzt durch entsprechende staatliche Förderung.

Fazit: Fertigung hat in Europa eine Zukunft, erfordert aber konzertierte innovative Ansätze in allen Bereichen.

Zum Referenten:
Dr. Reinhard Ploss steuert als zuständiger Vorstand der Infineon Technologies AG Fabriken in der ganzen Welt. Daher kennt er die Herausforderungen des weltweiten Wettbewerbs von Fertigungsstandorten sehr genau. Innovation ist für ihn der Schlüssel zur Zukunft in Europa. Er ist Sponsor der "InnovationFab"-Initiative. Reinhard Ploss ist mit Österreich eng verbunden, hat viele Jahre in Villach gearbeitet, war von 2003 bis 2007 CEO von Infineon Österreich und ist heute Aufsichtsratsvorsitzender.
Vice President, European Forum Alpbach; President, OeNB - Oesterreichische Nationalbank, Vienna Abstract
Österreich konnte in den letzten beiden Jahrzehnten seine internationale Position in Bezug auf Forschung, technologische Entwicklung und Innovation stark verbessern. Forschung und Innovation wurden stärker ein Instrument zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von Firmen, aber auch ein Instrument des Wettbewerbs zwischen Staaten. Österreich war durchaus erfolgreich: die Handelsbilanz ist sogar positiv, der Marktanteil am OECD Export ist von 1,6 auf 2,0% angestiegen und auch die Leistungsbilanz weist Überschüsse auf. Ohne entsprechende technologische und innovative Fähigkeiten wäre dies nicht möglich gewesen. Die F&E Quote konnte auf über 2,5% gesteigert werden. Österreichische Firmen halten Spitzenpositionen im Bereich Produktion hoher und höchster Mitteltechnologie und können auf den internationalen Märkten Qualitätsprämien lukrieren. In den letzten Jahren sind aber die Regierungen und die breite Öffentlichkeit selbstzufrieden geworden.

Die Ereignisse der letzten Monate erinnern an das Umfeld in den 1930er Jahren als die Welt in die große Depression gezogen wurde. Auch die österreichische Wirtschaft ist massiv von der Krise betroffen. Von der Regierung wurden rasch Maßnahmen gesetzt, um aus der Krise heraus zu kommen. Ebenso haben die Notenbanken rasch reagiert, um eine wirtschaftspolitische und sozialpolitische Katastrophe zu verhindern. Durch die bekannte Zersplitterung der Verantwortung der Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik auf vier Ministerien ohne effiziente Koordinationsmechanismen (wenn man vom Rat für FTE absieht), sind die Chancen gering, dass die Universitäts- und Bildungspolitik einerseits und die Infrastruktur-, Industrie- und Ausbildungspolitik andererseits rasch abgestimmt werden, um auf die neuen Umfeldbedingungen in den genannten, für die Volkswirtschaft so wichtigen Bereiche, einheitlich und geschlossen reagieren zu können.

Der Weg aus der Krise kann durch den raschen und gezielten Einsatz der finanziellen Mittel für die richtigen Maßnahmen beschleunigt werden. Dabei ist eine ideologiefreie Diskussion über unsere Bildungs- und Ausbildungspolitik (von der Volksschule bis zur Errichtung von Grundlagenforschungs-Instituten) und eine von parteipolitischem Machtdenken freie Organisation der Forschung notwendig.
Stellvertretender Chefredakteur, Die Presse, Wien Chair

Dr. Dr. h.c. mult. Robert HUBER

Nobelpreisträger für Chemie; Direktor, Emeritus Gruppe Strukturforschung, Max-Planck-Institut für Biochemie, Martinsried

1960 Diploma in Chemistry, Technische Universität München
1963 Dr. rer. nat., Technische Universität München
1968 Habilitation, Technische Universität München
1972-2005 Scientific Member of the Max-Planck-Gesellschaft and Director at the Max-Planck-Institut für Biochemie
since 1976 Apl. Professor, Technische Universität München
since 1997 Co-founder and advisor of the Biotech Company "Proteros"
2001 Visiting Professor, Universitat Autonoma de Barcelona
  Gastprofessor, Universität Duisburg-Essen
2005 Director Emeritus
since 2005 Co-founder and advisor of the Biotech Company "SuppreMol"
  Visiting Professor, Korean German Institute of Technology (KGIT), Seoul National University, Korea
2007 Visiting Professor, Cardiff University

Dr. Jürgen MLYNEK

Chairman of the Board of Trustees, Falling Walls Foundation gGmbH, Berlin

1970-1976 Studium der Physik, Technische Universität Hannover; Ecole Polytechnique, Paris
1976-1981 Hauptdiplom Physik, Wissenschaftlicher Assistent, Institut für Angewandte Physik, Universität Hannover
1979 Promotion, Dr. rer. nat., Universität Hannover
1982 Post-Doktorand, IBM Research Laboratory, San Jose (USA)
1984 Habilitation, Universität Hannover
1983-1985 Hochschulassistent (C1), Universität Hannover
1985-1986 Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft
1986-1990 Assistenzprofessor, Eidgenössische Technische Hochschule (ETH), Zürich
1990-2000 Ordentlicher Professor (C4), Experimentalphysik, Universität Konstanz
1996-2001 Vizepräsident, Deutsche Forschungsgemeinschaft
2000-2005 Präsident, Humboldt-Universität zu Berlin
2005-2015 Präsident, Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren
seit 2015 Chairman of the Board of Trustees, Falling Walls Foundation gGmbH, Berlin

Dr. Reinhard PLOSS

Chairman of the Board, Infineon Technologies AG, Munich

1986 Eintritt bei Siemens/Infineon, Prozessingenieur für die Chip-Fertigung
1996-1999 Leitung des Geschäftsgebiets Leistungshalbleiter, Siemens AG
1999 Leiter des Geschäftszweigs Industrial Power und Geschäftsführer der eupec GmbH Co. KG
2000-2005 Leitung des Geschäftsbereiches Automobil- & Industrie-Elektronik, Infineon Technologies AG
2005-2007 Group Vice President & General Manager Automotive, Industrial & Multimarket, Infineon Technologies AG
seit 2007 Mitglied des Vorstands der Infineon Technologies AG, zuständig für das Ressort Fertigung
seit 2012 Vorsitzender des Vorstands von Infineon

Dipl.-Kfm. Dr. Claus J. RAIDL

Vice President, European Forum Alpbach; President, OeNB - Oesterreichische Nationalbank, Vienna

1970-1971 Senior assistant, Institute for Applied Social and Economic Research
1971-1974 Worked in banking and for a certified public accountant, provided consultancy services to the OECD on international tax law and multinational corporations
1974-1981 Österreichische Volksfürsorge Allgemeine Versicherung AG
1981-1982 Member of the Executive Board, Wiener Holding Ges.m.b.H.
1982-1986 Member of the Executive Board, ÖIAG (Österreichische Industrieverwaltungs AG)
1986-1988 Deputy Chairman and Senior Executive Vice President, VOEST-ALPINE AG
1988-1992 Deputy Chairman and Senior Executive Vice President, VOEST-ALPINE STAHL AG
1993-1994 Member of the Executive Board, AUSTRIAN INDUSTRIES AG
1991-2010 Chairman and CEO, BÖHLER-UDDEHOLM AG
2007-2010 Member of the Executive Board, voestalpine AG
since 2008 President, OeNB - Oesterreichische Nationalbank
since 2012 Vice President, European Forum Alpbach

Dr. Michael PRÜLLER

Stellvertretender Chefredakteur, Die Presse, Wien

1986 Dr. juris, Paris-Lodron-Universität Salzburg
1987 Diplomstudium, Institut Européen des Hautes Etudes Internationales, Nizza
1996-1999 Senior Consultant, PR- und Werbeagentur Ogilvy & Mather, Wien
2000-2004 Ressortleiter, Wirtschaftsressort ("Economist"), Tageszeitung "Die Presse"
seit 2004 Stellvertretender Chefredakteur, Tageszeitung "Die Presse"

Technologiegespräche

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27.08.2009

10:00 - 12:30Technologiebrunch der Tiroler ZukunftsstiftungSocial
13:00 - 13:10Eröffnung durch das Europäische Forum AlpbachPlenary
13:10 - 14:00EröffnungsreferatePlenary
14:00 - 16:00Wege aus der Krise - neue Perspektiven durch Forschung und Innovation?Plenary
16:30 - 18:00Die Zukunft der StammzellenforschungPlenary
20:00 - 21:30Blick in die Vergangenheit - das Rätsel unserer HerkunftPlenary
21:30 - 23:30Abendempfang gesponsert durch Forschung Austria in Kooperation mit der GFF und dem BMVITSocial

28.08.2009

09:00 - 15:30Arbeitskreis 01: Können wir unseren Nahrungsmitteln vertrauen?Breakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 02: Forschungs-, technologie- und innovationspolitische (FTI) Strategien im internationalen VergleichBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 03: "Säen und Ernten" in der bio(techno-)logischen Forschung: Vom atomaren Bauplan der Proteine zur Entwicklung neuer Arzneimittel und ihrer klinischen AnwendungBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 04: Biomedical and Pharmaceutical Engineering - Schlüsseltechnologien des 21. JahrhundertsBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 05: Infratech - Krise als ChanceBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 06: Kreativität - Treibstoff der Wissensgesellschaft?Breakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 07: Creative Industries vs. Old Economy: Wohin steuert die Wirtschaft?Breakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 08: Universitäten: Verantwortung für die ZukunftBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 09: Vertrauen in die Zukunft - Investieren in die ForschungBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 10: Digital Government im Spannungsfeld zwischen Bürger und VerwaltungBreakout
09:00 - 15:30Arbeitskreis 11: E-Mobility AustriaBreakout
09:00 - 18:00Junior Alpbach - Wissenschaft und Technologie für junge MenschenBreakout
09:00 - 15:00Technologieworkshop: Trend-Radar Gesellschaftliche EntwicklungenBreakout
09:00 - 15:00Ö1 Kinderuni Alpbach - Wissenschaft und Technologie für KinderBreakout
10:00 - 15:00Sonderveranstaltung: Positionierung Österreichs im internationalen WissensraumBreakout
16:30 - 17:45Kreativität. Wie Kinder lernen - Lernen wie die Kinder?Plenary
18:15 - 20:00Innovative Forschungsstandorte - Regionen im WettbewerbPlenary

29.08.2009

09:30 - 10:45Vertrauen in die Wissenschaft? Integrität in der wissenschaftlichen ForschungPlenary
10:45 - 11:30Die Zukunft des Universums - Perspektiven für Astrophysik und KosmologiePlenary
12:00 - 13:00I-Brain - die technologische Evolution des Gehirns?Plenary
13:00 - 13:15Abschluss-StatementPlenary
13:15 - 14:00Imbiss zum Abschluss der VeranstaltungSocial