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Wiener Vorlesungen: Soziale Gerechtigkeit. Fundament für Demokratie und Zukunftsfähigkeit

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Liechtenstein-Hayek-Saal
Plenary / Panel
in deutscher Sprache

Vortragende

Science Adviser, City of Vienna Abstract Introduction
- In den letzten 20 Jahren hat eine massive Entwicklung der Ökonomisierung alle Lebensbereiche erfasst.
- Handlungen, Strukturen, Phänomene werden primär oft ausschließlich aus der Sicht der Ökonomie bewertet.
- Neuordnung der Gesellschaften unter den Leitbegriffen der Ökonomisierung und Rationalisierung
- Alle Bereiche von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik werden zunehmend von Personalberatern nach dem Vorbild von McKinsey mitbestimmt.
- Soziale, kulturelle und wissenschaftliche (wo es nicht um profitable Anwendungen geht) Anliegen geraten ins Hintertreffen.
- Für Solidarität ist weniger Raum: Solidarität ist kein Hauptlehrziel der Gesellschaft.
-  Wir können uns das nicht mehr leisten.
-  Wir müssen den Gürtel enger schnallen.
-  Die Renten sind nicht mehr finanzierbar.
-  Der Generationenvertrag hält nicht mehr.
-  Wir müssen mehr und länger arbeiten  im Tages-, Monats- und Lebensmaßstab.
Auf der anderen Seite die Fakten:
- Die Rationalität der Produktion wächst ständig.
- Es wachsen die Wirtschaft, die Unternehmensgewinne und die Privatvermögen.
- Weltweit nahm die Zahl der Milliardäre in den letzten 10 Jahren um mehr als 100 % zu.
- Die Unternehmensgewinne explodieren.
- Die Spitzeneinkommen sind unvermindert gewachsen.
- Um das Jahresgehalt eines Spitzenmanagers einer Bank zu erreichen, müssten Menschen im Mindestlohnbereich 1.200 Jahre  vom Beginn des Hochmittelalters bis jetzt  arbeiten.
- Der Sozialstaat wuchert nicht  wie ein Krebsgeschwür , wie die Gegner ihn darstellen, die Sozialleistungsquote ist in Relation zur Wirtschaftsleistung seit 30 Jahren fast konstant.
- Die Nationalstaaten müssen sich an die Wünsche des globalen Kapitals anpassen, wenn sie es nicht vertreiben und Kapitalflucht riskieren wollen.
- Die Bedürfnisse des Kapitals sind den Mehrheitsinteressen in einer Volkswirtschaft entgegengesetzt: das Kapital sucht eine möglichst hohe Zinsrendite, liberalisierte Börsen und Kapitalmärkte und eine möglichst geringe Besteuerung. Alle drei Bedürfnisse schädigen die Volkswirtschaft.
- Der Raum für soziale Anliegen und Aufgaben und im individuellen Handeln erscheint als unfunktional und Wettbewerb verzerrend, als die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft schwächend.
- Solidarität erscheint als antiquiert.
- Die einzelnen Menschen wenden sich daher von sozialen Aufgaben ab und dem privaten Konsum und Genuss zu.
- Soziales Engagement wird zu einem privaten Projekt.
- Die Individuen flüchten sich in ein Selbstdarstellungstheater.
Vizepräsidentin, European Anti-Poverty Network; Sozialexpertin, Die Armutskonferenz e.V., Wien Abstract
Ob Proteste in Israel, Massen-Kiss-In und Hungerstreik für Sozialreformen in Chile, Demonstrationen in Athen und Madrid oder die jüngsten Unruhen in London und anderen britischen Städten - weltweit wächst der sichtbare Unmut gegen die zunehmende soziale Polarisierung. hundertmal mehr verdienen die zehn Prozent einkommensreichsten Britinnen und Briten im Vergleich zum untersten Zehntel, 26-mal öfter als ihre weißen Altersgenossinnen und Altersgenossen werden schwarze Jugendliche von der Polizei aufgehalten und durchsucht. Weltweit haben die fünf Prozent Ärmsten in den letzten Jahren 25 Prozent ihres ohnehin geringen Einkommens verloren, währen die reichsten fünf Prozent weitere 12 Prozent dazugewonnen haben. Noch gravierender ist die Ungleichheit im Bereich Vermögen. Allein in Österreich verfügen die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung über mehr als die Hälfte des privaten Geldvermögens, die beiden unteren Drittel haben praktisch keine oder nur sehr geringe Reserven, wenn nicht Schulden. Wer sich am unteren Ende der Skala findet - und das sind immer mehr Menschen und oft auch viele, die das nie von sich gedacht hätten - lernt schnell, was es heißt nicht nur mit mangelnden Ressourcen, sondern auch dem damit einhergehenden Mangel an Verwirklichungschancen und mit Respekt- und Perspektivlosigkeit zu leben und macht Erfahrungen von vielfältigen Formen der Stigmatisierung und der Angewiesenheit.

Wer von Armut spricht, darf über Reichtum nicht schweigen. Wer nach Gerechtigkeit ruft, muss Fragen nach vorhandenem Unrecht stellen und sich mit den daraus folgenden Realitäten, konkreten Lebensumständen, Bedürfnissen und Handlungsoptionen konfrontieren. Wer nach Gerechtigkeit ruft, muss über Verhältnisse nachdenken und darüber, was Menschen einander schulden. Wer nach Gerechtigkeit ruft, muss Machtfragen stellen und Wege suchen, wie die Teilhabe jener, die über die je geringsten Gestaltungsmöglichkeiten verfügen, gestärkt werden können. Die brennenden gesellschaftlichen Probleme sind nicht - wie David Cameron annimmt - einfach Probleme fehlender Moral und Werte, sie sind auch nicht allein Probleme der Wirtschaft oder des Sozialen. Es sind Probleme der Kultur, also der Art und Weise, wie wir die existenziellen Momente unseres Daseins und damit auch die Erfindung und Herstellung, die Verteilung und den Austausch von materiellen und immateriellen Gütern organisieren und wie wir Beziehungen untereinander leben und gestalten.
Professor Emeritus, Institute of Government, University of Vienna Abstract
Unsere Gesellschaft unterliegt seit geraumer Zeit merkbaren Änderungen. Welche sozialen und materiellen Konsequenzen daraus für die Bevölkerung, für Beschäftigte und Beschäftigungslose erwachsen, wird wesentlich auch davon abhängen, an welchen Gerechtigkeitsprinzipien sich staatliche Politik orientiert.

Der Hintergrund der Forderung nach "mehr Gerechtigkeit" wird in einem ersten Punkt an zwei Aspekten aufgezeigt: Erwerbsarbeit und Sozialstaat. Der zweite Punkt geht der Frage nach, was unter sozialer Gerechtigkeit verstanden wird. Im dritten Punkt wird skizziert, mittels welcher Maßnahmen "mehr soziale Gerechtigkeit" erreicht werden könnte. Die Sicherung von Teilhabechancen unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen ist eine wesentliche Basis für die Sicherung der Demokratie.
Journalistin und Philosophin; Mitherausgeberin, polylog - Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren, Wien Chair

Dr. Hubert Christian EHALT

Science Adviser, City of Vienna

 Studium der Geschichte, Kunstgeschichte, Soziologie, Philosophie, Psychologie und Pädagogik, Habilitation für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Neuzeit
seit 1980 Lehre an der Universität Wien
seit 1984 Herausgabe der "Kulturstudien"
seit 1984 Wissenschaftsreferent der Stadt Wien
seit 1987 Planung und Koordination der "Wiener Vorlesungen" der Stadt Wien (bisher über 1200 Veranstaltungen)
seit 1990 Herausgabe der Wiener Vorlesungen derzeit in 9 Buchreihen (über 250 Bände)
seit 1996 Leiter des Institutes für Historische Anthropologie
2000 Habilitation im Fach Sozialgeschichte
2003 Professor an der Universität Wien
 Gastprofessuren u.a. an der Universität für angewandte Kunst Wien, an der Universität für Künstlerische und Industrielle Gestaltung Linz, an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
seit 2008 Honorarprofessor an der Universität für angewandte Kunst Wien

Ute BOCK

 Nach der Matura arbeitete sie ein Jahr in der Privatwirtschaft, bevor sie sich entschloss, Erzieherin zu werden. 1969 erhielt sie Beschäftigung im Gesellenheim Zohmanngasse im 10. Wiener Gemeindebezirk, wo sie schließlich 1976 zur Leiterin ernannt wurde. Anfang der 1990er Jahre schickte das Jugendamt vermehrt ausländische Jugendliche in Ute Bocks Einrichtung, dies waren gehäuft auch Klienten, die von anderen Einrichtungen bereits abgewiesen wurden. Zu dieser Zeit begann Ute Bock sich mit den Schicksalen dieser Menschen zu beschäftigen und begann sich für Asylwerber zu engagieren.
 
 Bei einer Razzia 1999 im Heim wurden im Rahmen der umstrittenen Operation Spring etwa 30 afrikanische Jugendliche wegen Drogenhandels festgenommen und Ute Bock wurde wegen Bandenbildung und Drogenhandels angezeigt und zeitweise vom Dienst suspendiert. Später wurde die Anklage fallengelassen, allerdings wurde ihr verboten, weitere afrikanische Asylwerber in der Zohmanngasse unterzubringen.
 
 Sie organisierte nun private Wohngemeinschaften, die sie selbst finanzierte und betreute.
 
 
 Filme über die Arbeit Ute Bocks
 "Bock for President" von Houchang Allahyari und Tom-Dariusch Allahyari (2009),
 "Die verrückte Welt der Ute Bock" von Houchang Allahyari und Tom-Dariusch Allahyari (2010).
 
 Literatur über Ute Bock
 Cornelia Krebs: "Ute Bock - Die Geschichte einer Flüchtlingshelferin" (2010)
2002 ging sie in Pension und kümmert sich nun ständig um ihr Projekt. Inzwischen sind es über 350 Asylwerber, die in von Ute Bock organisierten Wohnungen Unterkunft und Verpflegung finden. Weitere 1000 obdachlose Asylwerber haben ihre Zustelladresse beim Verein Ute Bock. Außerdem hat sie für ihr Klientel juristische Beratung organisiert. Sie ist auf Spendengelder angewiesen.

Dr. Michaela MOSER

Vizepräsidentin, European Anti-Poverty Network; Sozialexpertin, Die Armutskonferenz e.V., Wien

 Studium der Theologie in Innsbruck, Nijmegen und Southampton
 Studium der Public Relations, Wien
2007 Promotion in Philosophie, University of Wales, Lampeter
seit 1995 Lehraufträge an in- und ausländischen Universitäten
seit 1998 Mitglied im Koordinationsteam der österreichischen Armutskonferenz
seit 2004 Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen in Österreich
seit 2006 Vizepräsidentin, Europäisches Antiarmutsnetzwerk EAPN

Dr. Emmerich TALOS

Professor Emeritus, Institute of Government, University of Vienna

1962-1969 Catholic Theology and History Science, University of Vienna and Tübingen University
1971-1972 Publishing editor, Mathias Grünewald Verlag, Mainz
 Since 1974 Assistant, IHS - Institute of Advanced Studies, Vienna
1972-1974 Political Science, IHS - Institute of Advanced Studies, Vienna
1980 Habilitation Political Science
since 1983 University Professor of Political Science, Institute of Government/Institute of Political Science, University of Vienna
since 2000 Lecturer, WU (Vienna University of Economics and Business) and Danube University Krems
since 2009 Formally retired

Kulturprogramm

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kategorie: Alle CulturePlenary

18.08.2011

17:10 - 17:30Eröffnungskonzert: "Zweige. Neun Miniaturen für Flöte, Klarinette, Cello und Klavier" Komposition von Gerald Resch im Auftrag des Europäischen Forums Alpbach, interpretiert vom PHACE-QuartettCulture

19.08.2011

20:00 - 22:00Günter Brus - VernissageCulture
20:00 - 22:00International Evening Im Rahmen des Standing Committee Programms: Die StipendiatInnen des Europäischen Forums Alpbach 2011 präsentieren ihre Regionen, Länder und KulturenPlenary

20.08.2011

17:30 - 18:00Anne Strobl: Skulpturen und Objekte - VernissageCulture
18:00 - 19:00"Kontinuität - Transparenz" von Margaritha Wanitschek - VernissageCulture

21.08.2011

20:30 - 22:00Konzert TiroltagCulture

22.08.2011

17:30 - 19:00"Gerechtigkeit siegt - Aber nur im Film": Rudolf Taschner im GesprächPlenary

24.08.2011

18:30 - 20:30Wiener Vorlesungen: Soziale Gerechtigkeit. Fundament für Demokratie und ZukunftsfähigkeitPlenary
21:30 - 23:30JazzkonzertCulture

26.08.2011

20:30 - 22:00Irdisches Leid und Himmlische Gerechtigkeit - Ein Musikalisches Portrait von Gustav MahlerCulture

27.08.2011

18:00 - 20:00Bulgarischer Filmabend: "The Mosquito Problem and Other Stories" von Andrey Paounov. In Anwesenheit des Regisseurs.Plenary
20:00 - 20:30"Where Have All the Children Gone?" von Dejan Kaludjerovic - VernissageCulture
20:30 - 22:30Speakers' Night: Talkin' Bout a Revolution? Im Rahmen des Standing Committee Programms: Internationaler Redewettbewerb für StipendiatInnenPlenary

28.08.2011

22:00 - 23:30Konzertabend mit dem Rundek Cargo TrioCulture

29.08.2011

20:30 - 22:00Global Literature - Beschreibung einer ungerechten Welt. AutorengesprächCulture