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Zur Finanzierung der Realwirtschaft in Europa

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Erwin-Schrödinger-Saal
Plenary / Panel
German and English language

Vortragende

Vice President for Operational Policies, EBRD - European Bank of Reconstruction and Development, London Abstract Key Note
The European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) has for 20 years operated under a unique mandate, aimed at fostering transition towards open market-oriented economies in Central and Eastern Europe, as well as in the Western Balkans, Russia, Caucasus, Central Asia, Mongolia and more recently in Turkey. In response to the financial and economic crisis, the EBRD vigorously scaled up its operations, and last year financed a record number of projects, with overall investments rising to unprecedented new levels. EBRD operations aim to continue to capitalise on this momentum, investing across a broad range of economic activity; for example, in its efforts to build long-term competitiveness, enhance private sector development, improve the business environment, and support private sector advancements in technological innovation.
Director General, Austrian Federal Ministry of Science, Research and Economy, Vienna Abstract
Basel III ist ein wesentlicher Teil der internationalen Bemühungen, in Antwort auf die Finanzkrise, das Bankensystem robuster und weniger störungsanfällig zu machen. Aus BMWFJ-Sicht sollte die Finanzierungsfunktion des Finanzsektors für die Realwirtschaft, und insbesondere für KMU, im Zentrum des wirt-schaftspolitischen Interesses stehen. Die Bundesregierung hat bereits 2008 in der Krise reagiert und die sogenannte Mittelstandsmilliarde aufgelegt und damit das Haftungs- und Garantieinstrumentarium ausgeweitet, um den Zugang zu Finanzierung für KMU sicherzustellen. Tatsächlich hat es in der Krise im KMU-Bereich die geringsten Ausfallraten bei Krediten gegeben. Die Umsetzung von Basel III in der EU sollte die Rolle und Bedürfnisse der KMU stärker be-rücksichtigen, auch wenn diese Themenstellung im Basel III Vorschlag weitge-hend ausgespart blieb. Insbesondere könnten eine niedrigere Risiko-Unterlegung für KMU-Kreditportfolios bzw. Risikostreueffekte bei diversifizierten KMU Portfolios und eine Anhebung der Schwelle für KMU-Finanzierungskredite Eingang in den EU-Rechtstext finden.
Executive Director and Associate, Ortner Group, Vienna Abstract
ZUR FINANZIERUNG DER REALWIRTSCHAFT IN EUROPA

1) Um das richtige Verständnis für meine Ausführungen zu erlangen, möchte ich mein persönliches wirtschaftliches Umfeld wie folgt darlegen:

Ich bin einerseits Unternehmer und Inhaber der ORTNER-Gruppe, eines Familienunternehmens in der baunahen Wirtschaft mit 3.300 Mitarbeitern und 500 Mio ¬ Umsatz in der Haustechnik und im Anlagenbau (ORTNER/SIEMENS BACON/ELIN)
und andererseits 30% Inhaber der PORR AG, einem börsenorientierten Baukonzern mit 12.000 Mitarbeitern und 3 Mrd. ¬ Umsatz. Dort bin ich auch Präsident des Aufsichtsrates.

Ich stehe also zwischen einem reinen Familienunternehmen (ohne jede Bankfinanzierung, aber abhängig von Kunden mit bankfinanzierten Investitionen ) und einem börsenotierten Unternehmen, das selbst Investitionen und Bauaufträge mit hohem Kreditbedarf für sich selbst aber auch für Kunden ausführt.

2) Was stelle ich in und nach der Krise fest:
Ï% Es ist am Markt eigentlich genügend Kapital vorhanden, aber
- die Beurteilung der Projekte durch die finanzierenden Banken wird wesentlich kritischer, weniger Projekte werden finanziert  manchmal (nicht immer) auch zu Recht. Einerseits werden schlechte Projekte - auch zum Vorteil der Gesamtwirtschaft - ausgeschieden, andererseits wird oft auch guten Projekten wegen falscher Einschätzung keine Chance gegeben.
- die Aufschläge der Banken und damit die Kreditkosten werden höher
- die bereitgestellten Volumina pro Projekt und pro Bank werden aus Gründen der Risikostreuung kleiner  oft sind jetzt mehr Bankpartner notwendig als früher
Ï% Bei der Finanzierung von Unternehmen und großen Projekten kommt es zu einem starken Wechsel von Finanzierung durch Banken zu Anleihefinanzierungen mit vorgegebenen marktspezifischen Schranken.
Das ist aufwendiger und insbesondere für kleinere Betriebe nicht möglich. Auch hier stellen wir höhere Kosten und ungünstigere Ausgabebedingungen fest.
Ï% Die Banken müssen wieder mehr verdienen und ihr Risiko senken, um Belastungen auszugleichen und Eigenkapitel aufzubauen. Viele Geschäfte werden verteuert. Insgesamt vergrößert sich der Kostenunterschied zwischen den verschiedenen Ratingstufen aus verständlichen Gründen.
Z.B. bei Bankgarantien, die insbesondere in der Bauwirtschaft in großer Höhe notwendig sind (in meiner Firma bis zu 1 Mrd. ¬ ), sind wir ausschließlich auf Banken angewiesen und hier ist die Verteuerung - für fast alle Bonitätsstufen  besonders stark, obwohl Anleger vielfach bei höherem Risiko geringere Zinserträge erhalten.
Es differieren hier die Kosten auch bei oft geringeren Risiken (z.B. Bid Bonds) bis zu 600% (!) bedingt durch Monopolstellungen und notwendige Konsortien bei großen Beträgen.

3) Was ergibt sich daraus?
Dies wird alles zu einer weiteren und strengeren Auslese in der Wirtschaft beitragen. Längerfristig werden dadurch aber gesunde Betriebe gestärkt und profitieren. Vorerst werden Investitionen etwas gebremst.
Für kleinere Betriebe und Betriebe die keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben, kann es schwierig werden. Besonders schwächere Teile der Wirtschaft werden stärker zu leiden haben.
Die Realwirtschaft muß neben den Folgen der strengeren Risikoeinschätzung auch Kosten für Verluste und die höheren Eigenkapitalvorschriften der Finanzwirtschaft tragen. Wenn Basel III wie vorgesehen kommen sollte, wird sich das noch verstärken.
Member of the Management Board and Chief Financial Officer, voestalpine AG, Linz Abstract
Um die Risiken einer zukünftigen Bankenkrise zu verringern, steigen die Regulierungsbemühungen: Basel III, Bankenabgabe, Einlagensicherung, Bonifikationslösungen, Derivateverbote etc. Diese Senkung von Risiken wird aber auch zu einer Verschlechterung der Wirtschaftskraft führen, weil Finanzierungen nicht im gleichen Ausmaß und zu den gleichen Kosten zur Verfügung stehen werden.

Gewerbetreibende und Kleinunternehmen werden weiter in der bisherigen Art finanziert werden können. Große Unternehmen müssen sich verstärkt vom Kapitalmarkt und weniger vom Kreditmarkt finanzieren. Schwierig wird es für die Mittleren Unternehmen, die zu groß für die lokale Bank und zu klein für einen effizienten Zugang zum Kapitalmarkt sind.

Ob der Markt alternative Produkte entwickeln wird und ob diese dann das Risiko steigern statt zu senken wird die Zukunft weisen.
Former Chief Executive Officer, Raiffeisen Bank International AG, Vienna Abstract
Ein stabiles Finanzsystem ist unverzichtbar für eine funktionierende Realwirtschaft.
Die hohen Summen (bis knapp EUR 150 Mrd.), welche Banken im Euro-Raum in den letzten Wochen wieder bei der EZB bei einer Verzinsung von nur 0,75 % deponiert haben, weisen jedoch auf eine gestiegene Verunsicherung (hohe Liquiditätsvorsorgen) der Banken aufgrund der Staatsschuldenkrise hin.
Kann Basel III - in einem derartigen Umfeld - überhaupt einen wesentlichen Beitrag zu einer stabilen Finanzierung der Realwirtschaft leisten?
Basel III ist sicherlich kein Allheilmittel gegen die nächste Krise, insbesondere dann, wenn man die Staatsverschuldung in Europa und den USA nicht in den Griff bekommt. Von ausschlaggebender Bedeutung wird weiters sein, dass bei der Umsetzung von Basel III in der EU die Besonderheiten der europäischen Finanzierungskultur der Unternehmen und der Bankenlandschaft ausreichend berücksichtigt werden (wie z.B. die in der Krise besonders stabilen dezentralen Sektoren sowie dass sich Unternehmen in Europa vorwiegend über Kredite finanzieren während der Anleihemarkt derzeit noch eine größtenteils untergeordnete Rolle spielt). Oberste Priorität muss es sein, die Versorgung der Wirtschaft mit entsprechendem Kapital sicherzustellen.
Chairman and Chief Executive Officer, Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG, Vienna Abstract
In der öffentlichen Debatte haben wir uns beim Thema Finanzierung bisher stark mit der Frage beschäftigt, wie es die Banken schaffen werden, ihre Eigenkapitalpölster als Antwort auf Basel III zu vergrößern. Die Frage, wie es die Unternehmen schaffen werden, ihren zukünftigen Kreditbedarf zu decken, blieb eher unberührt. Wir rechnen mit einer drohenden Drosselung der Kredite von 10 bis 20% in Europa. Hier müssen wir Lösungen finden, um die Wirtschaft bei der Suche nach Eigenkapital und Finanzierungen zu unterstützen.
Managing Director, Macro-Consult; Former Member of the Management Board, Austrian Central Bank, Vienna Chair

Jan FISCHER

Vice President for Operational Policies, EBRD - European Bank of Reconstruction and Development, London

1974 Completed his Studies (Statistics and Econometrics), National Economics Faculty, University of Economics, Prague
 until 1990 Various functions, Federal Statistical Office
1985 Completed his PhD, Prague School of Economics
1990 Appointed as Vice President, Federal Statistical Office
1993 Vice President, Czech Statistical Office
2000 Director, Production Department, Taylor Nelson Sofres Factum Company
2002-2003 Head, Research Facilities, Faculty of Informatics and Statistics, Prague School of Economics
2003-2009 President, Czech Statistical Office
2009-2010 Prime Minister, Czech Republic
since 2010 Vice President for Operational Policies, European Bank of Reconstruction and Development (EBRD)

Dr. Michael LOSCH

Director General, Austrian Federal Ministry of Science, Research and Economy, Vienna

 Studium der Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien und an französischen Partnerhochschulen (ESSCA, HEC)
 Doktorat mit Dissertation über wettbewerbsorientierte Regulierung der E-Wirtschaft
1993-1995 EU- und Energie-Experte, Wirtschaftskammer Österreich, Wien
1996-1997 Internationale Projektfinanzierung, ING Bank, Wien
1997-1999 Europäische Kommission, Generaldirektion für Energie; zuständig für Umsetzung und Weiterentwicklung der EU-Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinien, Brüssel
1999-2004 Kabinettsmitglied von Kommissar Dr. Franz Fischler; zuständig für wirtschaftspolitische und wettbewerbsrechtliche Agenden, Brüssel
seit 2004 Sektionschef für Wirtschaftspolitik, Innovation und Technologie im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Wien

Dipl.Ing. Klaus ORTNER

Executive Director and Associate, Ortner Group, Vienna

1964 Study visit to the USA
1968 Graduated as Dipl.-Ing. in Mechanical Engineering at the Swiss Federal Institute for Technology (ETH), Zurich
1972 Licensed as Consulting Engineer for mechanical engineering in Austria
1969 Joined Ortner Group
1977 Stockholder and CEO, Ortner GesmbH
1980 Started first export project followed by numerous projects in several Eastern Countries from Hungary to Kazakhstan
1989 Sole Stockholder and CEO, ORTNER Gruppe
1992-2005 Member of the supervisory board, BTV - Bank für Tirol und Vorarlberg
1998 Acquired shares of PORR AG and increased interest to about 30% by 2005
1999 Acquired Bacon GmbH in a 50:50 joint venture with Siemens
2003 Bacon is rebranded Siemens Bacon after incorporation of Siemens ES into Bacon
2003 Chairman of the supervisory board, PORR AG
2004 Acquired TKT Engineering Sp.z o.o. in Poland
 
 Current positions:
 CEO, Ortner Gruppe (rev 500 m)
 Chairman of the supervisory board, ELIN
 Chairman of the supervisory board, PORR AG (rev 3 bn)
 Chairman, Association for Central Heating and Ventilation, since 1987
2008 Acquired ELIN GmbH in a 50:50 joint venture with Siemens

Mag. Dipl.-Ing. MBA Robert OTTEL

Member of the Management Board and Chief Financial Officer, voestalpine AG, Linz

1985-1991 Studium des Allgemeinen Maschinenbaus an der Technischen Universität Wien (Dipl.-Ing.)
1985-1994 Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien (Mag.rer.soc.oec.)
2001-2002 Postgraduate: International Management, Control and Reporting an der LIMAK
2004-2005 General Management Executive MBA Program an der LIMAK (MBA)
1993-1996 Leitung Finanz, Personal, Einkauf, Logistik, Metall- u. Kunststoffwaren Erzeugungsg.m.b.H.;
1997 Eintritt in die VOEST-ALPINE STAHL AG
2001-2004 Mitglied der Geschäftsführung (CFO), voestalpine Division Automotive
2003-2005 Mitglied des Vorstandes (COO), Polynorm N.V. Niederlande
2004-2005 Stv. Mitglied des Vorstandes, Division Automotive, voestalpine AG
seit 2005 Mitglied des Vorstandes (CFO), voestalpine AG

Mag. Dr. Karl SEVELDA

Former Chief Executive Officer, Raiffeisen Bank International AG, Vienna

1968-1973 Master's degree in Economics, University of Economics,Vienna
1973-1976 Independent Research Work for the Federal Ministry for Science and Research
1980 Doctor's degree
1977-1983 Creditanstalt-Bankverein, Corporate Finance and Export Finance
1983-1985 Secretary to the Federal Minister for Trade and Industry
1985 Creditanstalt-Bankverein London and New York
1986-1989 Head of Export Finance Department, Creditanstalt-Bankverein
1988-1989 Deputy Head of Corporate Finance Division, Creditanstalt-Bankverein
1989-1993 Head of Corporate Finance Division, Creditanstalt-Bankverein
1993-1997 Head of Multinational Corporates Division, Creditanstalt-Bankverein
1997 Head of Corporate Banking Division (in addition to a.m. responsibility), Creditanstalt-Bankverein
1998-2010 Raiffeisen Zentralbank Österreich AG: Member of the Board of Managing Directors, in charge of Corporate Customers and Corporate, Trade and Export Finance worldwide
2010-2013 Deputy Chief Executive Officer, Raiffeisen Bank International AG
2013-2017 Chief Executive Officer, Raiffeisen Bank International AG

Dr. Thomas UHER

Chairman and Chief Executive Officer, Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG, Vienna

1983-1989 Study of Law and Ph.D., University of Vienna,
1988-1989 Assistant, Institute of Constitutional and Administrative Law, University of Vienna
1989-1990 Executive Board Office, Creditanstalt Bankverein, Vienna
1991-1993 Department International Business Support Creditanstalt a.s., Prague
1994-1997 Member of the Management Board, Creditanstalt a.s., Bratislava
1997-2007 Member of the Management Board, Österreichische Bundesforste AG, Vienna
2007-2010 Member of the Management Board, Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG, Vienna
2010-2014 Member of the Management Board, Board Spokesman, Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG; Vienna
since 2015 Chairman and Chief Executive Officer, Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG; Vienna

Mag. Dr. Josef CHRISTL

Managing Director, Macro-Consult; Former Member of the Management Board, Austrian Central Bank, Vienna

1993-2001 Chief Economist, Creditanstalt
2001-2003 Member, Cabinet of the Minister of Finance
2003-2008 Member, Board of Oesterreichische Nationalbank
 Since 2009 Vice-Chairman, OeBFA - Board of the Austrian Federal Financing Agency
2008-2010 Guest Professor, University of Economics and Business Administration (WU), Vienna