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EuroEconomics  What else?

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Erwin-Schrödinger-Saal
Plenary / Panel
german language

Speakers

President, European Forum Alpbach, Vienna
Professor, International Economics, Eberhard Karls University Tübingen Abstract
Es wird häufig  meist unter Verweis auf geopolitische Zusammenhänge  argumentiert, die Europäische Union habe nach dem Fall des  eisernen Vorhanges gar keine andere Wahl gehabt, als den Ländern Mittel- und Osteuropas die Mitgliedschaft anzubieten. Dies mag bisweilen suggerieren, dass die EU in den 1990er Jahren die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitgliedsländer den gegebenen geopolitischen Notwendigkeiten zu opfern hatte.
Ist das ein passendes Interpretationsmuster für die letzten 2 Jahrzehnte Europäischer Geschichte? Geht es bei den künftigen Erweiterungsprojekten etwa erneut um den Primat geopolitischer Verpflichtungen bzw. Notwendigkeiten vor wirtschaftlichen Interessen? Ist die Erweiterungspolitik der EU vor allem ein außenpolitischer Erfolgsausweis?
Diese Argumentation und Begrifflichkeit verstellt, so behaupte ich, den Blick auf eine wichtige Tatsache: Die eben realisierten oder ggf. noch folgende Osterweiterungen der EU beinhalten auch Veränderungen, die im ureigensten wirtschaftlichen Interesse der bestehenden Mitgliedsländer sind. Das ist zwar mitnichten neu, aber es verdient angesichts der aktuellen EU-internen Schwierigkeiten und der momentan beobachtbaren Erweiterungsmüdigkeit erneute Betonung. Die Erweiterungspolitik ist auch, ja in erster Linie, Wirtschaftspolitik, und sie ist auch in dieser Hinsicht ein Erfolgsausweis.
Man sollte dabei allerdings nicht so tun, als sei die EU der Inbegriff ökonomischer Vernunft. Erweiterungen der EU sind keineswegs magische Vehikel zur Wohlstandsmehrung. Vielmehr ist es so, dass Erweiterungen von der eben  2004 und 20007  vollzogenen Art recht schonungslos und deutlich zum Vorschein bringen, welche Teile des  Pakets EU ökonomisch vernünftig sind, und welche nicht. Vernünftig ist vor allem der schon in den Verträgen von Rom als Kern des Europäischen Zukunftsprogramms verankerte Gedanke des wirtschaftlichen Fortschritts durch integrierte, von internationalen Barrieren befreite Märkte.
Konkret manifestiert sich dieser Gedanke im EU-Paket in Gestalt der Zollunion und des Binnenmarktes. Das sind zwei mittlerweile schon recht betagte und wenig spektakulär anmutende Integrationsinstrumente der EU, und sie sind mitnichten ohne Konstruktionsfehler. Aber sie sind nach wie vor tragende Säulen des Europäischen Wohlstandes. Sie stehen für die mannigfaltigen Vorteile des Wettbewerbs und der Arbeitsteilung auf offenen Märkten  Vorteile, die mit verantwortlich sind dafür, dass die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa zu einer Umkehrung der ersten wurde, nämlich einer historisch beispiellosen Phase anhaltenden wirtschaftlichen Fortschritts.
Leider hat sich die EU nicht auf ambitionierte Marktintegration beschränkt, so dass sie heute auch Anlass zu berechtigter Kritik gibt, vor allem im Zusammenhang von Erweiterungsschritten. Hier sind vor allem die ausgabenintensiven  gemeinsamen Politikbereiche , nämlich die Landwirtschaftspolitik und die Regional- und Strukturpolitik, gemeint. Es ist keineswegs so, dass die Vorteile der Marktintegration per se eine Konvergenz des Entwicklungsniveaus und der Strukturen von Mitgliedsländern voraussetzen; eher gilt das Gegenteil. Auch bedeutet die Aufnahme ärmerer Mitgliedsländer mitnichten, dass die bestehenden Mitgliedsländer dadurch auf Wohlstand verzichten müssten, trotz der Ost-West-Transfers, die mit den erwähnten gemeinsamen Politikbereichen einhergehen. Noch haben wir Anlass zur Annahme, dass die Osterweiterung sich zu einer Wachstumsbremse für den Westen entpuppen wird.
Umgekehrt aber sind gegenteilige Erwartungen ebenso wenig von vornherein  Selbstläufer , zumindest nicht für alle Länder. Die Ökonomie ist hier zu nüchterner Analyse der aufgerufen. Sie hat dafür verschiedene Methoden entwickelt und angewandt; die meisten davon sind kontrovers, aber man muss hier mit Kompromissen leben. Verfügbare Evidenz zur bisherigen Osterweiterung deutet jedenfalls darauf hin, dass das vorteilhafte Element der Marktintegration  zumindest für Länder wie Österreich und Deutschland  die fiskalischen Kosten aus erhöhten Transferleistungen überkompensieren.
Mit Blick auf künftige Erweiterungen drängt sich die Frage auf, ob die EU sich nicht stärker auf die Vorteile der Marktintegration besinnen sollte, und zwar zulasten jener Politikbereiche, die sich im Kontext der jüngsten Erweiterungen eher als Hemmnis entpuppt haben (Agrarpolitik, Regionalpolitik). Von besonderer Bedeutung wird wohl die Integration der Arbeitsmärkte, d.h. Migration. Ebenfalls auf der Linie der Marktintegration liegt die Deregulierung und internationale Liberalisierung von historisch regulierungsintensiven Märkten (Telekommunikation, Verkehr, Energie), und vor allem die gemeinsame Geldpolitik mit einheitlicher Währung.
Inhaber, Präsident und CEO, Selva AG, Bozen Abstract
Think global, act lokal  think lokal, act global. Kritisch dargestellt wird der unheimliche Drang zur allgemeinen Globalisierung, ohne die Menschen entsprechend vorzubereiten. Internationalisierung ist nicht alles und nicht immer sinnvoll. Nur wer wahre Visionen hat, wird dies auf Dauer durchhalten und nachhaltige Erfolge feiern können.Die Politik und verschiedenste Institutionen können und sollen diesen Prozess fördern: jedoch richtig und mit der passenden Dosis.
President, Austrian Research Council; Professor emeritus, University of Innsbruck; Member of the Austrian Parliament, Vienna Chair

Dipl.-Ing. Dr. Franz FISCHLER

President, European Forum Alpbach, Vienna

1973-1979 Research Assistant, Institute for Agricultural Management, University of Natural Resources and Life Sciences, Vienna
1978 Doctorate, University of Natural Resources and Life Sciences, Vienna
1979-1984 Executive Assistant, Provincial Chamber of Agriculture of Tyrol, Innsbruck
1985-1989 Director, Provincial Chamber of Agriculture of Tyrol, Innsbruck
1989-1994 Austrian Federal Minister of Agriculture and Forestry, Vienna
1995-2004 European Commissioner for Agriculture, Rural Development and Fisheries, Brussels
2005-2011 Chairman, Ecosocial Forum Europe, Vienna
2005-2015 Chairman, RISE-Foundation, Brussels
2014-2015 Chairman of the Steering Committee of the EU scientific programme for Expo Milano 2015
since 2012 President, European Forum Alpbach, Vienna
since 2016 President, Board of Trustees to the Austrian Institute of Advanced Studies (IHS), Vienna

Dr. Wilhelm KOHLER

Professor, International Economics, Eberhard Karls University Tübingen

1978 Mag. rer.soc.oec. (Volkswirtschaftslehre), Universität Innsbruck
1979-1980 Postgraduate Student, University of Birmingham
1983 Dr. rer soc.oec, Universität Innsbruck
1986 Venia legendi für "Volkswirtschaftslehre", Universität Innsbruck
1987/88 Visiting Scholar, University of Michigan, Ann Arbor
1989/90 Lehrstuhlvertretung (C4), Universität Konstanz
1992-1996 Professor (C4) für Volkswirtschaftslehre, Universität Essen
1996-2004 O. Univ. Prof. für Volkswirtschaftslehre, Johannes Kepler Universität Linz
seit 2004 Professor (C4) für Volkswirtschaftslehre, Eberhard Karls Universität Tübingen

Dr. Philipp SELVA

Inhaber, Präsident und CEO, Selva AG, Bozen

 Studium der Betriebswirtschaft an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
1987 Aufnahme in den Vorstand der Selva AG
1997 Vizepräsident der Selva AG
 
 Das Unternehmen Selva hat sich in den letzten Jahren zum Trendsetter klassisch-eleganter Einrichtungen entwickelt. Aus dem kleinen Familienbetrieb von 1968 ist mittlerweile ein internationales Unternehmen geworden, das mit einem Exportanteil von über 95% in rund 60 Ländern der Erde präsent ist. Die Selva Stores in Moskau, Dubai, Peking und Warschau belegen die internationale Bedeutung der Marke. Auch die Expansionspolitik, welche vor allem durch Philipp Selva selbst angekurbelt wurde, verläuft äußerst dynamisch und erfolgreich. Davon zeugen die Niederlassung in High Point/USA, England, Selva Middle East in Dubai und Selva Project in Peterskirchen (D).
seit 1998 Präsident der Selva AG

Mag. Dr. Karlheinz TÖCHTERLE

President, Austrian Research Council; Professor emeritus, University of Innsbruck; Member of the Austrian Parliament, Vienna

1976 Promotion mit einer Dissertation in Klassischer Philologie
1978 Abschluss der Lehramtsprüfung aus Deutsch und Latein und Sponsion zum Mag.Phil.
1986 Habilitation für Klassische Philologie
1976-1997 Universitätsassistent am Institut für Klassische Philologie der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
1987-1988 Gastprofessur an der Universität Graz
1988 Gastprofessur an der Universität München
1987-1989 Vorsitzender der Gesamtösterreichischen Studienkommission Klassische Philologie
1997 Berufung auf ein Ordinariat für Klassische Philologie der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
1998-2004 Vorsitzender des Kollegiums der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
2000-2007 Vorstand/Leiter des Institutes für Sprachen und Literaturen der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
2005-2007 Studienleiter der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
2007-2011 Rektor der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
2011-2013 Bundesminister für Wissenschaft und Forschung der Republik Österreich
seit 2013 Abgeordneter zum Nationalrat