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Philosophy of green spaces

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Liechtenstein-Hayek-Saal
Plenary / Panel
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Speakers

Lehrbeauftragter für Humanökologie, Universität Wien; Senior Scientist, Abteilung Ökologie, Naturhistorisches Museum, Wien Abstract Key Note
Was wäre Urbanität? Warum beginnen immer mehr Menschen in aller Welt ihre Stadt zu hassen? Die Gründe: Monotonie, Technobrutalismus, Naturverlust, Terror der Fahrmaschinen, gesichtslos weil geschichtslos.
Was macht eine Stadt zum Liebesobjekt ihrer Bürger? Die scharfsichtige Sozialpsychologin Jane Jacobs fand: Die  Unverwechselbarkeit einer Stadt, ihre Charakteristik in Erscheinungsbild und Lebensgefühl  nicht wie jene fade gerasterten Nachkriegsstädte Deutschlands, wo man nur mehr aus dem Bahnticket erfährt, wo man ausgestiegen ist.. Was wäre die  Naturkonditionierung der Städte - etwa Pflanzen von der Straße über Fassaden, Terrassen bis aufs Dach, grüne Wasserränder, sich spiegelnde Bauten, notfalls schwimmende Gärten auf ausgedienten Kähnen wie bei den gesuchten Wohnungen ehemaliger Docklands.
Was will der Mensch als das höchst entwickelte Augenwesen der Evolution? Hat er ein Schmuckbedürfnis, sucht er eine andere Architekturschönheit als jene, mit der man ihn bevormundet?

Funktionalität war immer wichtig  doch nicht wie heute als Vernüchterung, die unseren Sinnen geometrische Gefängnisse aus riesigen Energievernichtungsmaschinen bereitet mit öde stereotypen Repetitionen von Fertigteilen, die noch dazu hässlich altern. Funktionell wäre Klimagerechtigkeit, regionale Angepasstheit und Erfüllung angeborener transkultureller Grundbedürfnisse des Homo sapiens sapiens  von Naturkonditionierung eben bis qualifizierter Dichte, Schutz der Privatheit vor Fremdeinblick, Orientierungsfreundlichkeit, Überschaubarkeit  low rise high density mit Grünhöfen statt Wohnhochhäusern.

Können akademische Architekten als dogmatisch geprägte Modezeichner überhaupt Urbanität neu planen  von Malls und glitzernden Konsumtempeln einmal abgesehen?
Urbanität braucht Vielfalt, Wahlmöglichkeit innerhalb von Dichte, braucht organisch wie kulturell Gewachsenes, verlangt vom Planer das Zulassen von Ungeplantem, Zufälligem und Spontanem. Die Kunst der Planer müsste Organisches, den gelenkten Zufall ermutigen statt Erstarrung durch betonierte Megakuben in Glas und Metall. Respektvolle Einpassung in historisch gewachsenen Ensembles darf von der Zunft nicht weiter als gestalterische Schwäche und historisierende Anbiederung verdammt werden - sie ist vielmehr schöpferisch zu entwickeln.
Historisieren ist kein Stil, sondern eine Haltung, die im Lauf der Kunstgeschichte mehrfach auftrat und meist sogar schöpferische Explosionen nach sich zog wie Renaissance, Klassizismus und Jungendstil. Negativ dagegen ist der Historismus unserer Planer - das tumbe Kopieren von Loos, Mies und Corbu durch die Kistenmacher an den Reißbrettern der internationalen Kommerzarchitektur. Diese einst genialen Pioniere, doch
in ihrem Totalitätsanspruch aber mit verheerenden Folgen,werden heute als  künstlerische Ausrede für einen gigantischen Ausbeutungsmechanismus missbraucht.

Ein Zeichen schöpferischer Ohnmacht sind dann auch die schrillen Ausbruchversuche in Postmoderne und Dekonstruktivismus.
Der viel zitierte  Funktionalismus schließlich war nie wirklich funktional (erzwang selbst im gemäßigten Klima stromfressendes "air conditioning", die "Glashaut als Klimahülle" wurde längst zur "Klimahölle", dazu leckende Flachdächer, hässliches Altern, Ignoranz gegenüber Schönheit als  Funktionserfüllung für die Seele ). Er bestand eher im krampfhaften Vortäuschen von Funktionalität -  Pathos des Sachlichen als  künstlerische Fratze der Technokratie .
Mitschuld am Absturz der Baukultur ist auch die maßlose Überbewertung des ungeprüft
"Innovativen", des "Noch Nie Dagewesenen", eine pubertäre Haltung - von geistvollen Kritikern treffend als "Neophilie" bezeichnet. Originalitätshascherei ohne Schöpferkraft ist die Geißel unseres Kulturbetriebes. Die Folge: Zerstörungswut als Kreativität der Einfallslosen.
Sachbearbeiterin, Abteilung Stadtteilplanung und Flächennutzung Innen-West, Magistrat der Stadt Wien Abstract
Der Lebensraum eines Kindes und Jugendlichen in der Stadt wird von natürlich geografischen, verkehrsgeografischen und soziologischen Begebenheiten begrenzt. Das Kind verspürt mit dem Alter ein steigendes Bedürfnis, seine Autonomie der Bewegung in Relation zum Wohnort auszutesten. Sein Aktionsraum sowie der Flächenbedarf bei verschiedenen Spielen und das Mobilitätsverhalten v.a. in der Freizeit sind Indikatoren für die Auswirkungen strukturell-räumlicher Bedingungen auf die Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen in der Stadt. Ob der Eintritt in die Welt der Erwachsenen gelingt, hängt davon ab, inwiefern es dem Kind möglich ist, die Geheimnisse, die mit dem erwachsenen städtischen Leben verbunden sind, Schritt für Schritt zu verinnerlichen, indem es damit konfrontiert ist und sie nachspielen kann.
Professorin für Stadtplanung, Stiftung Biotope City; Editor in Chief, Biotope City Journal, Amsterdam Abstract
Klimawandel, drohende Rohstoff- und Energieengpässe, globales Bevölkerungswachstum u.a.: Die Rahmenbedingungen für Städte und Stadtplanung haben sich grundlegend verändert. Umdenken ist nötig: wir müssen Gebäude, Stadt und städtische Lebensqualität konzipieren, ausgehend von Potenzen der Natur und eingebettet in natürliche Kreisläufe. Beispiele: statt Energiefressender air conditioning gegen die stets höheren Sommertemperaturen mit baulichen Vorrichtungen natürliche Luftströme nützen und verstärken, wie dies im traditionellen Bauen praktiziert wurde; Luftreinigung, Kühlung und Regenwasserrückhaltung durch Bäume und Pflanzenbewuchs auf Dächern und Fassaden. D.h.: Nicht mehr ein Gegeneinander von 'Stadt' und 'Natur' sehen, sondern 'Natur' und 'Stadt' integrieren. Nicht 'Rot' gegen 'Grün', sondern 'Rot' als Basis für 'Grün'. Konsequenz: 'Grün' muss als gleichwertiger Baustoff wie Stahl, Beton, Glas, Holz in das Repertoire von Architekten und Stadtplanern aufgenommen werden. Dies wird zu einem neuen Miteinander in einem urbanen Zusammenleben von Mensch, Flora und Fauna führen.
Hauptgeschäftsführer, Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V., Bad Honnef Abstract
Grün ist heute mehr als ein Instrument, um Schönheit und Romantik zu produzieren. Grüner Infrastruktur wird heute von Experten eine steuerbare Leistungsfähigkeit zum Beispiel zur Beeinflussung von Luft, Klima, Wassermanagement, Gesundheit oder Biodiversität zugesprochen.
Damit müssen wir weg von politischen Lippenbekenntnissen (Grünanlagen gehören zu den unverzichtbaren Freiräumen unserer Städte und Gemeinden) hin zu neuen Prioritäten (Forschungsfeldern, Grün am Bau, Firmengärten, öffentliches Grün) und anderen Begründungen.
Die Gesellschaft ist auf einem guten Weg. Sie lebt bewusster. Die meisten Menschen wollen heute nicht mehr nur auf dem Land oder nur in der Stadt leben. Sie wollen beides  Stadt und Landschaft . Bestätigt wird dies durch die Arbeitsforscher zu Work-Life-Integration: mit kurzen Wegen zur Arbeit, zur Nahversorgung und  erholung, nach Hause.
Wir brauchen einen Perspektivenwechsel: Die grüne Stadt schafft eine Lebensqualität, die sich rechnet, und darf keineswegs (nur) unter der Belastung von Investitions- und Verwaltungshaushalten gesehen werden.
Architekturjournalist, Der Standard, Wien Chair

Dr. Bernd LÖTSCH

Lehrbeauftragter für Humanökologie, Universität Wien; Senior Scientist, Abteilung Ökologie, Naturhistorisches Museum, Wien

 Studium der Biologie und Chemie, Universität Wien
1966-1972 Assistent am Pflanzenphysiologischen Institut (Forschung, Lehre, Wissenschaftliche Filme)
1973 Habilitation an der Universität Salzburg und Aufbau des Instituts für Umweltwissenschaften in Wien
1973-1993 Wiss.Arbeiten u. öffentl.Wirken: Urbanes Grün;Kfz Verkehr (Krisenfaktor,Lösungen); Agrochemie u. Biolog.Landbau(Mitarb. am Gesetz);wiss. Nuklearkritik f. d. Österr. Antinuklearkurs; Regionales Bauen als ökol .Anpassung,bes. von Wüstenkulturen (Iran,Ägypten) f.d. Entwicklungspolitik; Standards für Eco-cities.
1985 Vorsitz in der Ökologiekommission der Regierung
1986-1991 Nationalparkplanung Donauauen
1990 Initiative der Großkampagne mit WWF "Natur frei kaufen" für die Realisierung der Nationalparks
seit 1986 tit.a.o.Univ.Porf
1994-2009 Generaldirektor, Naturhistorischen Museums Wien (Sanierung und Neuorientierung, 2001 Wahl unter die Top Ten Museen der Welt durch eine Fachjury der London Sunday Times)
seit 2010 Senior Scientist, Abteilung Ökologie des Naturhistorischen Museums

Dipl.-Ing. Dr. Petra DWORZAK

Sachbearbeiterin, Abteilung Stadtteilplanung und Flächennutzung Innen-West, Magistrat der Stadt Wien

1998-2006 Diplomstudium der Raumplanung und Raumordnung und Doktoratstudium der technischen Wissenschaften (Verkehrsplanung und Verkehrssoziologie), Technische Universität Wien, Wien
2002-2006 Projektmitarbeiterin/ Projektassistentin, Technische Universität Wien, Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik, Wien
 Seit 2009 Sachbearbeiterin, Stadt Wien MA 21A - Stadtteilplanung und Flächennutzung Innen-West, Wien
2007-2008 Stadt- und Verkehrsplanerin, Loci - Urban Design Architecture Planning, Dublin

Prof. Dr. Dipl.Ing Helga FASSBINDER

Professorin für Stadtplanung, Stiftung Biotope City; Editor in Chief, Biotope City Journal, Amsterdam

 Urban planner, political scientist, writer, em. professor of University of Technology Eindhoven and University of Technology Hamburg-Harburg, former chairperson of the TUE Institute of Urban Renewal and Urban Management and Head of the TUHH Institute of Urban Planning and Development.
 Since 2006 she is member and vice chairperson of the Technische Advies Commissie Hoofdgroenstructuur (a committee for the protection of green zones) of the City of Amsterdam.
1990 she initiated the Stadtforum Berlin and was boardmember and advisor of the Senator until 1997.
 item "The dense city as nature".
2004 she created the Foundation Bitope City. She has been guest professor lecturing in many places througout Europe on urban renewal, planning, housing and meanwhile especially about the

Dr. Hermann J. KURTH

Hauptgeschäftsführer, Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V., Bad Honnef

1970-1975 Studium der Volkswirtschaftslehre a. d. Universität Bonn, Abschluss: Diplom
1975-1979 Assistent von Prof. Dr. Fritz Voigt am Institut für Industrie- und Verkehrspolitik der Universität Bonn, Promotion
1979 Aufbau der 1973 gegründeten Aktionsgemeinschaft Wirtschaftlicher Mittelstand e.V. (AWM) zu einem Spitzen-verband der mittelständischen Dienstleistungswirtschaft
seit 1996 Generalsekretär der European Landscape Contractors Association (ELCA)
seit 1998 Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL); Geschäftsführer der GaLaBau-Service GmbH
seit 2007 Mitglied des Aufsichtsrates der GaLaBau-Energy

Dipl.-Ing. Wojciech CZAJA

Architekturjournalist, Der Standard, Wien

 Studierte Architektur an der TU Wien und arbeitet heute als freischaffender Architekturjournalist für Tagespresse und Fachmagazine.
 Seit 2005 ist er tätig für die österreichische Tageszeitung Der Standard und betreut dort die Themenbereiche Architektur und Immobilien.
 Seit 2011 ist er Gastprofessor an der Universität für angewandte Kunst in Wien und unterrichtet "Kommunikation für Architekten".

Built Environment Symposium

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