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Spatial planning, mobility and environment

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Liechtenstein-Hayek-Saal
Plenary / Panel
german language

Speakers

Austrian Federal Minister of Education, Science and Research, Vienna Abstract Key Note
Braucht die Gesellschaft Raumordnung (Raumplanung)?

Die aus der Sicht des Vortragenden rhetorische Frage, ob die Gesellschaft Raumordnung oder Raumplanung benötigt, erlaubt eine grundsätzliche Einführung in die Thematik der gebauten oder verbauten Umwelt. Dabei wird sofort deutlich, dass die Materialität einer gebauten physischen Struktur immer wieder Planungs- und Standortentscheidungen benötigt. Denn, wo eine Baulichkeit entsteht, kann keine andere gebaut werden, Standorte sind eben nur einmal zu vergeben. Die grundsätzlichen Mechanismen für die Standortentscheidungen  nämlich Marktprozesse oder technokratische Herrschaft  werden erwähnt, um dann auf die österreichische Situation einzugehen.
Die rechtliche Verankerung der Raumordnung in Österreich ermöglicht bekanntlich den Bundesländern und den Gemeinden weitreichende Handlungsmöglichkeiten. Dazu kommen räumlich relevante Planungen und Maßnahmen des Bundes und der Europäischen Union. Die Stärken, die sich aus dieser komplexen Mehrebenenstruktur ergeben, und besonders die Schwächen werden dargestellt und kurz erläutert. Der Vortrag endet mit Vorschlägen, in welche Richtung sich die Raumordnung und Raumplanung in Österreich entwickeln könnte und vielleicht auch sollte, unabhängig von der Frage, was politisch machbar ist.
Professor emerita, Institute of Spatial Planning and Rural Development, University of Natural Resources and Life Sciences, Vienna Abstract Key Note
Verbaute Zukunft
1) Zersiedelung ist nicht nur ein Verstoß gegen den Klimaschutz
Österreich ist stark zersiedelt. Die scheinbar ungeordnete, weit gestreute Siedlungsverteilung fußt (auch) auf der falschen Grundannahme, dass billige, leicht verfügbare fossile Energieträger ohne nachteilige Folgen auch weit in die Zukunft hinein als Basis für unser Leben und Wirtschaften genützt werden können und dass auch langfristig die Energieversorgung in unseren Breiten vor allem durch Energieimporte abgedeckt werden wird (derzeit zu 80%). Klimawandel und Energiekrise fordern ein Umdenken: Die Zersiedelung ist konsequent zu unterbinden, weil sich beispielsweise damit folgende klimarelevanten Konsequenzen verbinden: eine hohe Autoabhängigkeit, eine Diskriminierung des  Umweltverbundes (Bahn, Bus, zu Fuß) durch weite Wege, ein hoher Einsatz fossiler Energieträger, ein ungerechtfertigter hoher Verlust an landwirtschaftlich genutztem Boden, der Niedergang der Nahversorgung, eine Geringschätzung des Bodens als bedeutende Energie- und Rohstoffquelle der Zukunft, hohe Infrastrukturkosten für Errichtung, Pflege, Reparatur und Erneuerung.

2) Den Bodenschutz aufwerten
Aus den genannten Gründen ist dem Bodenschutz prioritäre Bedeutung einzuräumen. Dabei sind etwa folgende Ziele seitens der Raumplanung konsequent zu verfolgen: Vorrang der sog. Innenentwicklung, d.h. die Flächennachfrage ist auf bereits besiedeltes Gebiet zu lenken, Aufgabe der Fixierung von Baulanderweiterungen  auf der grünen Wiese , Aufwertung der Kernstädte und Ortszentren, flächensparende Bebauungsformen begünstigen, Berücksichtigung der Bodenqualität bei der Standortwahl, Orientierung der Siedlungsentwicklung an den Haltestellen des öffentlichen Verkehrs, mehr Freiraumschutz und Aufwertung der Freiräume, Nutzung der Energiequellen vor Ort.

3) Dem Bodenschutz zum Durchbruch verhelfen
Die Österreichische Bundesregierung hat in ihrer 2002 beschlossenen Nachhaltigkeitsstrategie ein sehr ehrgeiziges Ziel zum Flächenverbrauch formuliert: Danach sollte bis 2010 der tägliche Bodenverbrauch auf ein Zehntel des Ausgangswertes, also auf 2,5 ha herabgesetzt werden. Es steht fest, dass dieser Zielwert nur mittels tiefgreifender Veränderungen längerfristig erreicht werden kann. Zentrale Bausteine eines solchen Umdenkprozesses sind:
- Zuständigkeiten überdenken: Die Gemeindevertreter gelten mit dem Bodenschutz als politisch und fachlich überfordert. Auch eine Rahmenkompetenz des Bundes in der Raumplanung wird immer wieder andiskutiert.
- Raumplanungsrecht modifizieren: Das Instrumentarium der Raumplanungsgesetze ist noch zu stark auf die Schaffung zusätzlichen Baulandes und den Infrastrukturausbau fixiert. In Hinkunft müsste das Augenmerk mehr auf die Steuerung einer bodenschonenden Nachbesserung im Bebauungsbestand Wert gelegt werden (etwa analog zu den Instrumenten der  Städtebaulichen Entwicklungs- und Sanierungsmaßnahme in der BRD).
- Förderungen umbauen: Die ordnungspolitischen Instrumente im Dienste eines sparsamen Umgangs mit dem Boden müssten durch gezielte finanzielle Anreize gestützt werden z.B. Umlenkung der Wohnbauförderung auf Sanierung des Altbestandes in  klimaschonender Lage, Einführung einer Neuerschließungsabgabe und einer Abwassergebühr.
- Entwicklungsstrategien ändern: Treibende Kraft hinter der enormen Zersiedelung Österreichs und damit dem Raubbau am Landwirtschaftsboden ist oft die enorme Konkurrenz zwischen den Gemeinden um Neubürger und Arbeitsplätze. Hier müssten die Finanzregime (z.B. Finanzausgleich, Kommunalsteuer) von Wachstum auf Sparen, von Konkurrenz auf Kooperation umgestellt werden.
- Bewusstsein schaffen: Noch wird selbst unter FachexpertInnen nicht erkannt, wie stark eine bodenschonende Raumplanung einer nachhaltigen Entwicklung dienen könnte. Hier gilt es anhand best practices aufzuzeigen, dass ein sparsamer Bodenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrszwecke regelmäßig nicht nur Hand in Hand geht mit dem Klimaschutz, sondern auch mit einem effizienten Energieeinsatz, einer sparsamen Verwendung öffentlicher Gelder, der Vermeidung von Verkehr und mehr Lebensqualität für jeden einzelnen.
Direktor i. R., Amt für Städtebau, Zürich
Professor, Institute for Transport Studies, Department of Transport Planning and Traffic Engineering, Vienna University of Technology, Vienna
Raumplaner, Filmemacher und Fachpublizist, Wien Chair

Dr. Heinz FASSMANN

Austrian Federal Minister of Education, Science and Research, Vienna

1974-1980 Studium der Geographie und der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Wien
1980 Promotion zum Dr. phil.
1980-1981 Scholar am Institut für Höhere Studien
1991 Verleihung der venia legendi für das Hauptfach "Humangeographie und Raumforschung"
  (1981-1986: Kommission für Raumforschung; 1986-1992: Institut für Demographie)
1981-1992 Wissenschaftlicher Angestellter, Österreichische Akademie der Wissenschaften
1992-1995 Geschäftsführender Direktor des Instituts für Stadt- und Regionalforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
1996-2000 Ordinarius (C4) für Angewandte Geographie II (Geoinformatik), Technische Universität München
seit 2000 Universitätsprofessor für Angewandte Geographie, Raumforschung und Raumordnung, Universität Wien
seit 2006 Geschäftsführender Direktor, Institut für Stadt- und Regionalforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften
2003-2009 Mitglied des Senats der Universität Wien
2004-2005 Forschungsaufenthalt an der Louisiana State University (Fulbright Grant)
2004-2011 Vizedekan und Dekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie der Universität Wien
seit 2004 Obmann der Kommission für Migrations- und Integrationsforschung
2011-2015 Vizerektor für Personalentwicklung und Internationale Beziehungen, Universität Wien
2015-2017 Vizerektor für Forschung und Internationales, Universität Wien
seit 2018 Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Wien

Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerlind WEBER

Professor emerita, Institute of Spatial Planning and Rural Development, University of Natural Resources and Life Sciences, Vienna

 Soziologie, Raumplanung und Rechtswissenschaften, Studien an der Universität Wien und der Technischen Universität Wien
1976-1991 Wissenschaftliche Laufbahn, Technische Universität Wien
1991 Berufung als Ordinaria für Raumforschung und Raumplanung; Leiterin, IRUB - Institut für Raumplanung und Ländliche Neuordnung, Wien
 Fachliche Schwerpunkte: Entwicklung ländlicher Räume, Bodenpolitik, Raumordnungspolitik, Nachhaltige Raumentwicklung, Räumliche Konsequenzen von demographischem Wandel und Klimawandel
1994-1996 Gastprofessuren an der ETH Zürich und Universität Kyoto

Franz EBERHARD

Direktor i. R., Amt für Städtebau, Zürich

1970 Diplom, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)
1970-1975 Arbeit in Architekturbüros und eigenes Atelier
1975-1983 Stadtplaner St. Gallen
1983-1997 Stadtbaumeister St. Gallen
 - Stadtplanung und Architektur
 - Archäologie und Denkmalpflege
 - Gebäudeinformationssystem und Liegenschaftsbewertung
1997-2009 Direktor Amt für Städtebau in Zürich mit den Hauptbereichen
 - Planungs- und Bauprozesse, Moderation und Mediation
 - Städtebauliche Projekte
 - Expertenarbeit in Jurys und Beiräten
 Beratungsmandate:
seit 2009 Beratung für Raumplanung, Städtebau und Architektur
1989 Gast-Professor an der University of Syracuse, School of Architecture (USA)
1995-1997 Beratungsaufträge Polytechnic Singapore in Singapore, Erneuerung des Lehrprogramms mit Benchmarking, Implementation und Controlling
1996-2004 Lehraufträge an der Donau-Universität Krems (Österreich), Blockvorlesungen zum Thema nachhaltige Stadtplanung mit speziellem Akzent auf Prozessen und Instrumenten
seit 1997 Beratung Stadtentwicklung und Städtebau in China

Dipl.-Ing. Dr. Hermann KNOFLACHER

Professor, Institute for Transport Studies, Department of Transport Planning and Traffic Engineering, Vienna University of Technology, Vienna

 Bauingenieurwesen, Abschluss der Studien im konstruktiven Bereich, im Verkehrsbereich und im Wasserbau
 Mathematikstudium, Technische Universität Wien
 Geodäsiestudium, Technische Universität Wien
1963-1969 Universitätsassistent, Technische Universität Wien
1970 Gründung des Instituts Verkehrswesen, Kuratorium für Verkehrssicherheit, Beschäftigung mit Sicherheitsforschung, Verkehrsplanung und Verkehrswesen und Leitung des Institutes bis 1982
  Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre offizieller Fachberater für den zuständigen Verkehrsminister für den Bereich des gesamten Verkehrswesens
seit 1971 Eröffnung eines eigenen Ingenieurbüros für Forschung und Beratung von Gemeinden, Ländern und Unternehmen, kontinuierliche Leitung des Ingenieurbüros bis heute
seit 1975 Leitung, Institut für Verkehrsplanung, Technische Universität Wien
seit 1985 Leitung, Institut für Straßenbau und Verkehrswesen, Technische Universität Wien
1989-2007 Leitung, Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik, Technische Universität Wien

Dr. Reinhard SEISS

Raumplaner, Filmemacher und Fachpublizist, Wien

1988-1994 Studium Raumplanung und Raumordnung, Technische Universität Wien
1993-1996 Arbeitsaufenthalte in Berlin, Dresden und Nordrhein-Westfalen
seit 1993 Produktion und Gestaltung urbanistischer Film- und Fernsehdokumentationen
  Architektur-, Planungs- und Kulturfachzeitschriften, diverse Buchbeiträge
  Gastvorlesungen u. a. in Wien, Stuttgart, Hannover, Zürich, Paris, Teheran, Mumbai und Yogyakarta
seit 1994 Fachpublizist, regelmäßige Beiträge für internationale Zeitungen
1995-2000 Mitarbeit, Stadtplanungsprojekte, Russland
1998 Lehrauftrag, Fakultät Medien, Bauhaus-Universität Weimar
1999 Gründung, seither Leitung, Verein URBAN+ [Kommunikation in Stadt- und Raumplanung], Wien
  konzeptionelle und beratende Tätigkeit für Stadtplanungsämter
  Architekturfakultäten, Wissenschafts- und Kulturinstitutionen
  internationale Vortragstätigkeit, Gestaltung urbanistischer Hörfunkbeiträge
seit 1999 Autor diverser Studien, Organisation und Moderation von Fachveranstaltungen
2004 Experte, parlamentarische Enquete-Kommission "Architekturpolitik und Baukultur in Österreich"
2005-2008 Lehrauftrag, Kunstuniversität Linz, Institut Raum und Design
2007 Promotion, Technische Universität Wien
2007/2009 Lehraufträge, Technische Universität Wien, Institut für Städtebau, Landschaftsarchitektur und Entwerfen
seit 2009 Mitglied, Beirat für Baukultur, Bundeskanzleramt

Architecture Symposium

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