zum Inhalt

Diversität und Resilienz

Von Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach, über das diesjährige Generalthema „Diversität und Resilienz“. Erschienen in der Tiroler Tageszeitung vom 22. Mai 2018.

Es sind zwei etwas sperrige Begriffe, die das Europäische Forum Alpbach als Thema für die diesjährige Veranstaltung ausgewählt hat. Worum soll es gehen? Wir wollen sowohl die Bedeutung dieser beiden Prinzipien für unsere Gesellschaft, für die wirtschaftliche Entwicklung, das soziale Zusammenleben, für die Ökosysteme beleuchten und davon abgeleitet Möglichkeiten aufzeigen, wie der Verlust an Vielfalt und die wachsenden Labilitäten und Störungsanfälligkeiten behoben werden können.

Dazu nur einige konkrete Beispiele: Wir wissen längst, dass der Klimawandel unsere Natur drastisch verändern wird. Wir wissen jedoch nicht, welche Pflanzen und welche Arten und Sorten mit den veränderten Verhältnissen am besten zurechtkommen werden. Es ist daher geradezu fahrlässig, dass die internationalen Saatgutkonzerne und die modernen Landwirtschaftstechniken die genetische Breite immer weiter einengen. Genauso wie die Berichte über die Verarmung an Pflanzenarten auf unseren Feldern müssten auch die drastischen Rückgänge der Menge an Insekten schon längst die Alarmglocken schrillen lassen.

Das, was sich in der Natur abspielt, gilt genauso für gesellschaftliche Systeme. Man braucht nur zu schauen, wie sehr geradezu jeden Tag mit dem Argument der Sicherheit unsere Freiheit eingeschränkt und damit der Pluralismus in unserer Gesellschaft eingeengt wird. Oder die Tendenz in der Wirtschaft, nur auf kurzfristige Erfolge aus zu sein. Übersehen wird dabei, dass darunter immer öfter die längerfristige strategische Ausrichtung von Unternehmen leidet. Oder die Vernachlässigung der rule of law. Wenn ich mich nicht mehr hundertprozentig auf das Rechts-und Justizsystem verlassen kann, gerät die Gesellschaft über kurz oder lang ins Wanken. Oder denken Sie an die Wertschätzung unseres kulturellen Reichtums. Da geht es um weit mehr als nur um die Erhaltung der Kulturgüter. Da geht es vor allem auch um die Lebendigkeit und um den Mut, Neues zu entdecken. Nur über die Kunst und Kultur kann den europäischen und allen anderen Gesellschaften in der Welt eine Seele-wie das der frühere Kommissionspräsident Delors genannt hat-gegeben werden.

Man kann letztlich das diesjährige Anliegen des Forums in einem einfachen Bild ausdrücken: Wenn ich Ziele wie Stabilität, Robustheit, Nachhaltigkeit erreichen möchte, so gelingt das nur, wenn die Anliegen unserer Gesellschaft verteilt auf vielen Schultern getragen werden. Es ist wie bei einem Haus auf schwankendem Grund: Auf je mehr Pfeilern es ruht, umso stabiler ist es.