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Ein besonderer Geist

Vier StipendiatInnen blicken auf das Europäisches Forum Alpbach 2017 zurück.

Murtaza Tahiri musste rund 4400 Kilometer zurücklegen, um hier zu sein. Sein Ziel war nicht Alpbach, sondern einfach nur Europa. Vor zweieinhalb Jahren ist der Afghane nach einer langen Flucht in Österreich angekommen. „In Alpbach zu sein ist eine der besten Möglichkeiten, die ich je gekriegt habe“, sagt Murtaza.

Murtaza Tahir, 24. Credit: Maria Noisternig.

Sein Stipendium hat er vom Österreichischen Integrationsfonds bekommen. Der 24-Jährige lebt in Wien, seit sechs Tagen ist er in Alpbach. „Es gibt in Alpbach nicht Menschen zweiter und dritter Klasse. Du kannst zu jedem hingehen. Nationalitäten spielen keine Rolle“, sagt er.

Von einem offenen und freundlichen Geist berichten die StipendiatInnen nach den ersten Tagen. Sie wollen nicht nur von den SeminarleiterInnen lernen, sondern auch voneinander.

Tuo Yu, 25. Credit: Maria Noisternig.

„Ich habe viel über die verschiedenen Kulturen erfahren“, sagt Tuo Yu, Jus-Studentin in Peking. „Wir Studenten in China haben nicht so viele Parties. Wir knüpfen nicht so viele Kontakte.“ Eines der zwei Seminare, das sie belegt hat, heißt „Die neue Seidenstraße im globalen Kontext“. Sie habe aber nicht nur viel über Handelswege gelernt, sondern auch ihre sozialen Fähigkeiten verbessert. Ein Kollege habe ihr zum Beispiel gezeigt, wie man ProfessorInnen im richtigen Moment anspricht, sagt Yu und lacht.

Lukas Schabus, 27. Credit: Maria Noisternig.

Lukas Schabus aus Österreich hat das Seminar „Warum wird es Schauspiel genannt?“, geleitet von Schauspiellehrerin Nona Shepphard, belegt. „Die Studenten im Seminar sind so freundlich und warmherzig. Es fühlt sich so an, als würde man sich schon viel länger als ein paar Tage kennen“, sagt der 27-Jährige, der Agrar- und Ernährungswirtschaft in Wien studiert. Lukas’ zweites Seminar: „Sind wir allein im Universum?“ mit Lisa Kaltenegger. „Es werden zu diesem Thema so viele Spekulationen und Irrglauben verbreitet. Ich wollte die Chance nutzen, darüber etwas von einer renommierten Astrophysikerin zu hören.“

Nancy Sobhy, 26. Credit: Maria Noisternig.

Nancy Sobhy arbeitet als Gesundheitsmanagerin in einem großen Krankenhaus in Kairo. Die Ägypterin hat ihr Medizinstudium bereits abgeschlossen. Nach dem vergangenen Sommer in Alpbach entschied sie sich, als Stipendiatin und Seminarassistentin zurückzukehren. Sie unterstützt Lisa Kaltenegger. „Die Seminare mit Lisa sind inspirierend. Sie kommt aus einem kleinen Ort und hat es an die besten Unis der USA geschafft. Für mich ist sie ein Vorbild.“