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Reflexion zur Versöhnung

Der Philosoph und Theologe Paul Weß mit Überlegungen zu Konflikt und Kooperation.

Wo liegen die Grenzen der Solidarität? Warum kommt kein Vertrag dieser Welt ohne Moral aus? Woraus entsteht religiöser Fundamentalismus? Kann Moral erzwungen werden? Warum können wir Menschenrechte nicht global durchsetzen? Und was haben zwischenmenschliche Konflikte mit dem Sinn des Lebens zu tun? In seinen philosophischen Überlegungen zu „Konflikt und Kooperation“ geht der 81-jährige Theologe Paul Weß den zutiefst menschlichen Ursachen von Konflikten auf die Spur und erklärt, warum der Vorschuss an gegenseitigem Vertrauen – sei es in menschlichen wie juristischen Beziehungen –  letztlich die Voraussetzung für Kooperation bildet.

 

Konflikt und Kooperation in philosophischer Sicht
Überlegungen zum Europäischen Forum Alpbach 2017 von Peter Weß

Das Thema „Konflikt und Kooperation“ im diesjährigen Europäischen Forum Alpbach ist höchst aktuell. Der Zusammenhalt in der menschlichen Gesellschaft ist heute in vielfacher Weise bedroht oder sogar durch ungelöste Konflikte zerbrochen. Letztlich geht es also darum, einen Beitrag zu leisten, die durch egozentrisches Macht- und Gewinnstreben Einzelner oder von Interessengruppen und Nationen, durch rechts oder linksradikales Kollektivdenken mit seinen Feindbildern oder durch religiöse Absolutheitsansprüche gespaltene Gesellschaft zu versöhnen. Auch die derzeitige Krise der Europäischen Union sowie die Bildung von gegensätzlichen Machtblöcken in der Weltpolitik sind Symptome und Folgen dieser grundlegenden Krise. Bevor sich die Spannungen in weiteren und noch größeren gewalttätigen Auseinandersetzungen entladen, müssen mögliche Wege aus der Krise gesucht werden. Ob sie dann begangen werden, hängt von den betreffenden Menschen und Gruppen ab.

Es dürfte aber nicht genügen, die Antworten nur in einzelnen empirischen oder theoretischen Wissenschaften zu suchen, ohne die letzten Gründe der Konflikte und die tiefsten Voraussetzungen einer Versöhnung zwischen den einzelnen Menschen und den verschiedenen Gruppierungen zu erforschen. Das ist die Aufgabe der Philosophie, die nach dem auch die Perspektiven der einzelnen Wissenschaften übersteigenden Allgemeinen und Grundsätzlichen fragt, nach dem Ganzen der Welt und ihren Gründen sowie nach dem Gelingen menschlichen Lebens und seinen Kriterien.

Die Antwort darauf muss die Vernunft finden, die als das das Sein „vernehmende“ Vermögen dem rationalen Denken des Verstandes zugrunde liegt und daher nicht auf diesen beschränkt werden kann. Warum die Gesetze des Verstandes gelten sollen, kann nicht aus diesem begründet werden, sondern erfordert einen Zugang des Menschen zum Sein, der im vorrationalen Bereich liegt, aber im Verstand reflektiert werden kann.

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