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Rundum Xund in Alpbach

Von Viktoria Stein, Direktorin Education und Training, International Foundation for Integrated Care. Viktoria Stein ist im Advisory Committee des Europäischen Forums Alpbach.

Schon traditionell eröffnet das Thema Gesundheit in Alpbach den Gesprächs- and Diskussionszyklus. 450 internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus diversen Fachgebieten diskutieren von 19. bis 21. August in zwanzig Sessions Fragen, die uns alle betreffen: Wieso muss ich meine Geschichte jedesmal aufs Neue erzählen? Wieso hat Dr. X meine Untersuchungsergebnisse nicht erhalten? Wieso kann das Krankenhaus die Heimpflege nicht organisieren, sodass ich endlich nachhause gehen kann? Warum fragt mich niemand, wie es meiner Familie geht?

Realität und Anspruch klaffen oft weit auseinander, und im Gesundheitsbereich kann das dramatische Auswirkungen haben: während unser Idealbild gesund, jung und widerstandsfähig ist, haben demographischer Wandel, Lebensstil und Arbeitsbedingungen längst dazu geführt, dass wir in Wahrheit älter, kränker und weniger belastbar sind. Während die Lebenserwartung insgesamt steigt, sinken die Lebensjahre, die wir in Gesundheit verbringen. Die Ursachen sind divers und Lösungen komplex. Klar ist jedoch, dass es eines neuen Umgangs mit Menschen im Gesundheitsbereich geben muss: So werden in neuen Versorgungsformen Dienstleistungen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich gemeinsam organisiert und angeboten. Patientinnen und Patienten werden aktiv in die Therapieentscheidungen eingebunden und als Teil des Teams verstanden. Neue Technologien und Medikamente unterstützen dabei, dass Menschen länger unabhängig und belastbar sind, und somit daheim gesund alt werden können. Doch diese Flexibilität und personen-zentrierte Versorgung hat in den gewachsenen Strukturen traditioneller Systeme oft keinen Platz. Was trotzdem alles möglich ist, wird international bereits an vielen Orten demonstriert.

Gesundheit geht uns alle an

In Schottland wurde „Das Krankenhaus daheim“ als nationale Strategie entwickelt, in Finnland gibt es die virtuelle Krankenschwester, in Deutschland „das gesunde Kinzigtal“. Bei all diesen Ansätzen geht es darum, Menschen dazu zu befähigen, selbst bestimmt daheim leben und alt werden zu können. Neue Technologien sind dabei ebenso unabdingbar, wie neue Arbeits-und Organisationsmodelle. In den Sessions werden einige dieser Projekte in Alpbach vorgestellt, und darüber diskutiert, wie sich das System, die Berufsbilder und die Menschen ändern müssen, um den geänderten Ansprüchen gerecht zu werden.

Da unsere Gesundheit von sozialen, wirtschaftlichen, und Umweltfaktoren viel mehr beeinflusst wird, als vom Krankenhaus ums Eck, muss Gesundheit auch in allen gesellschaftlichen Bereichen ein Thema sein. Als Prämisse bei allen Ansätzen gilt: Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht. Alle haben ein Recht darauf, als Menschen und nicht als Krankheit, Beeinträchtigung oder Problem wahr genommen zu werden. Der interdisziplinäre und internationale Dialog in Alpbach bietet die Möglichkeit, von diversen Lösungen zu lernen, und zu diskutieren, wie sich unsere Systeme besser auf die bereits stattfindenden Veränderungen einstellen können.