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Der Reiz des Bösen in der Phantasie

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Kaiser-Leopold-Saal
Plenary / Panel
german language

Speakers

Professor emeritus für Philosophie, Universität für angewandte Kunst Wien Abstract
Gegen das Verdikt Hegels, der eine Ästhetik des Bösen, das „in sich kahl und gehaltlos“ sei, für unmöglich erklärte, „weil aus demselben nichts als selber nur Negatives, Zerstörung und Unglück herauskommt, während uns die echte Kunst den Anblick einer Harmonie bieten soll“, entfaltete sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine eigenständige Ästhetik des Bösen, das, vorbereitet durch Burkes Erhabenheitsästhetik, mit der deutschen Frühromantik eine neue Verbindung mit dem Schönen eingeht. Eine „Theorie der diabolischen Gedichtart“ zu entwickeln, sei das Gebot der Stunde, schreibt Friedrich Schlegel 1797; nach Kant ist aber das „Diabolische“ – oder das „Teuflische“ – das, was das Böse um des Bösen willen tut!

Die ästhetische Nobilitierung des Bösen (in all seinen Spielarten: des Intriganten, des Perfiden, des Grausamen, des Perversen etc.) wurde möglich durch den Zerfall der traditionellen platonisch-christlichen Metaphysik, denn im Prozess der Aufklärung löst sich das Böse von seiner funktional-privativen Stellung im Gefüge einer fundamental guten Weltordnung, die es auch in der Leibnizschen Theodizee-Konstruktion noch hatte, und gewinnt eine eigenständige positive Dignität. In einem nachmetaphysischen Zeitalter kann es entweder geschichtsphilosophisch refunktionalisiert (Hegel und die marxistische Ästhetik von Lukács bis Adorno) oder ästhetisch affirmiert werden (die nachromantische Autonomieästhetik von Poe und Baudelaire bis Littell). Im letzteren Fall – der Option der Moderne – löst das Böse als Phantasma sich von seinem traditionellen Bündnis mit der Didaxie und wird zu einer moralisch nicht mehr belangbaren ästhetischen Kategorie: Es entsagt seiner kathartischen Rechtfertigung und wird zum „Tonikum“ (Nietzsche).
Gründer und Eigentümer, Ecker & Partner Öffentlichkeitsarbeit und Public Affairs GmbH, Wien Abstract
Sigmund Freund wies darauf hin, dass der Arbeitsdruck gesellschaftliches Unbehagen
auslöst. In den modernen und global organisierten Wettbewerbsgesellschaften führt
dieses Unbehagen unter anderem zu bedrohlichen Ängsten, die durch eine Phantasie
über das Böse bearbeitet werden. Steigende Popularität des Horrorfilms, Beschränkung
von Freiheiten oder Aufbau von Feindbildern sind Beispiele für diese gesellschaftlichen
Entwicklungen in der Kommunikation.
Psychiater und Neurologe sowie Chefarzt, Stiftung Maria Ebene, Frastanz Abstract
Das Böse ängstigt und bedrückt uns, es nimmt uns Freiheit, Gesundheit und Lebensfreude, es stürzt uns in Konflikte und Leid. Obwohl wir das Böse nicht beschreiben können, wird es gefürchtet, gehasst, bekämpft, gemieden und tabuisiert – und gleichzeitig voll Faszination betrachtet. In seinem Referat zum Reiz des Bösen in der Phantasie schöpft Haller aus der Erfahrung des Gerichtspsychiaters, der über 300 Mörder untersucht hat. Er richtet seinen Blick auf den Sitz des Bösen im Gehirn, auf krankhafte Entwicklungen und Störungen, auf die Urkraft von Emotionen und Affekten, auf die Bedeutung der Erziehung und den Einfluss von Gruppen. Abschließend werden Überlegungen zum Konstrukt des Bösen aus philosophischer, theologischer, biologischer und psychologischer Sicht dargetan.
Vampirologe sowie Studienprogrammleiter, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Universität Wien Abstract
Die Kaiserin und der Vampir oder Das Böse verkauft sich verdammt gut.

„Das Hinstarren auf das Unheil hat etwas von Faszination. Damit aber vom geheimen Einverständnis“ schreiben Horkheimer und Adorno in ihrer Dialektik der Aufklärung (1947). Von Kain & Abel bis zur Poetik des Aristoteles, von Hitchcocks Psycho zu Facebook: „Das Böse ist immer und überall“ – wie die Rockkabarettisten der Ersten Allgemeinen Verunsicherung fröhlich verkünden.
KünstlerInnen, TheoretikerInnen und das Publikum starren seit jeher lustvoll auf das Böse; ein Blick auf aktuelle und historische Bestsellerlisten oder in das Fernsehprogramm genügt: das Böse verkauft sich verdammt gut.
Sind wir alle Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Sherlock Holmes und Prof. Moriarty, Dracula und Van Helsing? Ausgangspunkt meiner Analysen über die Lust am Hinstarren und die Liebe zum Bösen ist ein Rückblick auf die historische Vampirhysterie um Kaiserin Maria Theresia, die mit ihrem Versuch, das Böse per Dekret verbieten zu wollen, spektakulär gescheitert ist.
Ehemaliger Vorstand, Kulturabteilung, Amt der Tiroler Landesregierung, Innsbruck Chair

Dr. Rudolf BURGER

Professor emeritus für Philosophie, Universität für angewandte Kunst Wien

 Studium der Technischen Physik, Technischen Universität Wien
1965 Promotion
1965-1973 Institut für angewandte Physik und am Ludwig-Boltzmann-Institut für Festkörperphysik, Battelle-Institut in Frankfurt/M. und Planungsstab des Bundesministeriums für Forschung und Technologie, Bonn
ab 1973 Leiter, Abteilung für sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Wien
1979 Habilitation
seit 1990 Professor für Philosophie, Universität für angewandte Kunst in Wien
1995- 1999 Rektor, Hauptarbeitsgebiete: Ästhetik, politische Philosophie

Mag. Dietmar ECKER

Gründer und Eigentümer, Ecker & Partner Öffentlichkeitsarbeit und Public Affairs GmbH, Wien

1987-1994 Pressesprecher, Bundesministerium für Finanzen
1996 Leiter Kommunikation, Bundesgeschäftsstelle SPÖ
1997-1998 Geschäftsführender Gesellschafter, DDM Wien Werbung & PR GmbH
seit 1998 Eigentümer und Geschäftsführender Gesellschafter, Ecker & Partner ÖA und PA GmbH

Univ.Prof. Prim. Dr. Reinhard HALLER

Psychiater und Neurologe sowie Chefarzt, Stiftung Maria Ebene, Frastanz

 Univ-Prof Dr med Reinhard Haller ist Psychiater und Psychotherapeut. Er ist Chefarzt des Krankenhauses Maria Ebene, eines Behandlungszentrums für Suchtkranke in Vorarlberg. Seit 1983 ist er als Kriminalpsychiater und Gerichtsachverständiger tätig und verfasste u. a. Gutachten in den Fällen des Sexualmörders Jack Unterweger, des "Bombenhirns" Franz Fuchs und des Amoklaufs von Winnenden. Er ist Vorstandsmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Vereinigungen und war Vorsitzender der Kriminologischen Gesellschaft, der wissenschaftlichen Vereinigung deutscher, österreichischer und schweizerischer Kriminologen. Neben ca. 400 wissenschaftlichen Arbeiten zu den Themen Burnout, Depressionen, Sucht und Kriminalpsychologie hat er mehrere Sachbuchbestseller u.a. "Die Seele des Verbrechers", "(Un) Glück der Sucht" und "Das ganz normale Böse" publiziert.

a.o. Univ.-Prof. Dr. Rainer Maria KÖPPL

Vampirologe sowie Studienprogrammleiter, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Universität Wien

 Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft
1985 Promotion mit: "Das Theater der Hölle". Von den öffentlichen Hinrichtungen zum Hochsicherheitstrakt, von Robin Hood zum Fernseh-Kommissar.
2002 Habilitation mit: Ikonen unter Druck. Hitchcock, die Marx Brothers und Dracula: Zur Archäologie der Populärkultur.
2004 Visiting Professor am City College der City University (New York)
seit 2002 a.o. Univ.-Prof. und Dozent, zahlreiche Lehrveranstaltungen und Projekte, u.a. der mehrfach ausgezeichneten eLearning Projekte ELOISE und MOVE. Lehrveranstaltungen und Projekte in Deutschland und der Schweiz.
seit 2012 Studienprogrammleiter am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft

Dr. Christoph MADER

Ehemaliger Vorstand, Kulturabteilung, Amt der Tiroler Landesregierung, Innsbruck

 Studium der Geschichte und Alten Geschichte an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
1976 Promotion
1976-1978 Universitätsbibliothek Innsbruck
1978-1980 Diplomatische Akademie Wien
1980-2006 Kulturabteilung, Land Tirol
seit 1989 Vorstand Kulturabteilung, Land Tirol
1997-2003 "Gemeinsamer Ländervertreter" in EU-Kulturangelegenheiten

Phantasie in Kultur und Wirtschaft

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