Demokratie im digitalen Zeitalter


FD D1 1125 01028

24 Nov., 2025

EFA365

Einblicke in drei EFA365-Events über Macht, Plattformen, und Partizipation.

Demokratien im digitalen Zeitalter gemeinsam erkunden

Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir in den vergangenen Wochen mehrere Veranstaltungen durchgeführt, die jeweils einen anderen Aspekt demokratischer Resilienz in einer sich rasant verändernden digitalen und geopolitischen Landschaft beleuchtet haben.

Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse, Learnings und wiederkehrenden Themen – Solidarität, kollektive Governance und die dringende Notwendigkeit stärkerer demokratischer Infrastrukturen.

CEU event 1

Von der Techno-Utopie zum demokratischen Risiko: Warum Solidarität im Zeitalter der KI zählt

Gespräch zwischen Yusaf Akbar (Central European University) und Barbara Prainsack (Universität Wien, EFA)

In ihrem Gespräch untersuchten die Speaker:innen, wie KI und digitale Plattformen sowohl die Öffentlichkeit als auch demokratische Governance neu gestalten und warum Solidarität ins Zentrum unserer Antworten gestellt werden muss.

Barbara Prainsack betonte, dass Autokratien weltweit inzwischen die Zahl der Demokratien übersteigen und digitale Räume daher als kritische öffentliche Infrastruktur verstanden werden müssen. Digitale „Commons“, einschließlich Daten-Allmenden, sollten eine deutlich größere Rolle spielen. Entsprechend müsse Daten-Governance kollektiv gedacht werden, um systemische gesellschaftliche Auswirkungen zu adressieren.

Yusaf Akbar hob ergänzend hervor, wie Institutionen und gemeinsame öffentliche Rahmenbedingungen sicherstellen können, dass technologische Entwicklung mit demokratischen Werten im Einklang steht, statt diese zu untergraben.

Zentrale Erkenntnisse

  • Solidarität ist keine abstrakte moralische Haltung – sie ist ein Governance-Prinzip.
  • Demokratien benötigen gemeinsame Infrastrukturen, geteilte Vorteile und gemeinsame Verantwortung.
  • Digitale Technologien müssen so gesteuert werden, dass sie demokratische Handlungsfähigkeit stärken und nicht aushöhlen.
Marie Ringler Mitmacht 2025

Das autoritäre Drehbuch – und die demokratische Antwort

Podium mit Marie Ringler, Daniel Binswanger und Natascha Strobl

Zur Eröffnung des Mitmacht Festivals 2025, organisiert von unserem Partner Faktor D in Kooperation mit dem European Forum Alpbach, eröffneten Marie Ringler (Vizepräsidentin des EFA) und Jeanette Gusko eine eindrucksvolle Diskussion darüber, wie Demokratien autoritären Strategien wirksam begegnen können.

Marie Ringler
unterstrich, dass das Überwinden von Krisenmüdigkeit einen Fokus darauf erfordert, was wir gemeinsam tun können. Unerwartete lokale Allianzen seien entscheidend für den Wiederaufbau von Vertrauen und kollektiver Handlungsfähigkeit.

Natascha Strobl
betonte, dass Solidarität der Anker demokratischen Handelns und sozialen Zusammenhalts sein müsse. Jede und jeder verfüge über persönliche Solidaritätserfahrungen – das mache sie zu einem starken mobilisierenden Prinzip.

Daniel Binswanger
verwies auf die anstehenden Wahlen in Frankreich und Deutschland als entscheidende Indikatoren dafür, ob demokratische Systeme autoritäre Akteure am Machtgewinn hindern können.

Gerahmt wurde die Diskussion vom Democracy Playbook von Faktor D, einem Toolkit mit konkreten Strategien und Ansätzen zum Aufbau von Allianzen für demokratische Akteure im Vorfeld des richtungsweisenden Wahljahres 2029.

Zentrale Erkenntnisse

  • Demokratische Erneuerung beginnt lokal – durch Koalitionsbildung.
  • Solidarität ist zugleich gesellschaftlicher Kitt und politische Strategie.
  • Die kommenden europäischen Wahlzyklen werden entscheidend für die Zukunft demokratischer Normen sein.

Foto Credits: suna films

FAN Event Social Media

Soziale Medien – ein Geschäftsmodell, das die Demokratie bedroht?

Der Abend wurde eröffnet von Georg Pfeifer, Leiter des Verbindungsbüros des Europäischen Parlaments, und Marie Ringler, Vizepräsidentin des European Forum Alpbach, die hervorhoben, wie digitale Räume den demokratischen Diskurs verändern.

Speaker:innen

  • Verena Kontschieder, ehemalige Meta Policy Managerin
  • Peter Knees, TU Wien, UNESCO-Lehrstuhl für Digitalen Humanismus
  • Desiree Schmuck, Universität Wien, Politische Kommunikation & Social Media
  • Filip Paspalj, regulatorische Perspektive zur Umsetzung des Digital Services Act in Österreich

Mit Statements von

  • Alexander Geese, Mitglied des Europäischen Parlaments
  • Helmut Brandstätter, Mitglied des Europäischen Parlaments

Zentrale Erkenntnisse

  • Influencer ersetzen zunehmend den klassischen Journalismus. Engagement-getriebene Rankings verstärken Emotionen und Polarisierung.
  • Algorithmen optimieren auf Verweildauer und Umsatz, nicht auf Wohlbefinden. Interne Einblicke aus der Branche zeigen, dass Wachstum häufig Vorrang vor Sicherheits- und Integritätsfragen hat.
  • Der Digital Services Act markiert einen Meilenstein im Umgang mit systemischen Risiken. Seine tatsächliche Wirkung hängt jedoch von konsequenter Durchsetzung, sinnvollem Datenzugang für die Forschung und einer selbstbewussten europäischen Haltung gegenüber globalen Tech-Konzernen ab.
  • Diskutierte Lösungsansätze reichten von Digitalem Humanismus über algorithmische Wahlmöglichkeiten, Interoperabilität, Begrenzungen von Content-Flutung bis hin zur Stärkung öffentlich-rechtlicher Medien in digitalen Räumen.

Partner Clubs: Club Alpbach Salzburg, Club Alpbach Tirol, Club Alpbach Senza Confini, IG Wien

Foto Credits: Michael Kiran Huber

Zusammenfassung

Über alle drei Veranstaltungen hinweg zeigte sich ein roter Faden: Demokratie erhält sich nicht von selbst. Sie braucht Solidarität, sektorübergreifende Allianzen, starke demokratische Infrastrukturen und proaktive Strategien, um digitalen und geopolitischen Wandel zu gestalten. Die EFA365-Reihe wird diese Gespräche weiter vertiefen und praktische Wege nach vorne entwickeln.

EFA365: Politikdebatten das ganze Jahr über

Die Veranstaltung ist Teil der EFA365-Initiative, im Rahmen derer das European Forum Alpbach das ganze Jahr über Diskussionen in Wien, Berlin, Brüssel, München, Den Haag, Innsbruck und weiteren Städten organisiert. Ziel ist es, politische Themen kontinuierlich zu vertiefen und die Debatten des Forums im August vorzubereiten.

Alle beschriebenen Veranstaltungen waren eng mit dem EFA-Track Democracy & the Rule of Law verknüpft. Wenn Sie sich für dieses Thema interessieren, lesen Sie auch die Zusammenfassungen unserer Reporting Partner zu den Diskussionen am European Forum Alpbach 2025.